
Vom deutschen Staat bekommen Anleger mittlerweile Renditen von mehr als 3,5 Prozent pro Jahr, wenn sie für zehn Jahre auf ihr Geld verzichten. Kaum ein Investor wird bereit sein, sein Geld für weniger als das über solch eine Zeit zu verleihen.
Der Anstieg der Renditen für Staatsanleihen führt zum einen dazu, dass Anleger mit Schuldtiteln wieder größere Erträge realisieren können. Für den Staat und alle anderen Kreditnehmer verteuert er aber nicht nur mit der Zeit den Schuldendienst. Da die Bundesanleihen für den gesamten Anleihemarkt als Preisanker dienen, steigen mit ihren Renditen in der Regel auch die Finanzierungskosten aller anderen Schuldner.
Das kann sogar für die Währungshüter der Notenbanken relevant werden. Für sich genommen straffen die steigenden Renditen die Finanzierungskonditionen, das kann die wirtschaftliche Aktivität bremsen.
Als erfreulich ist zu vermerken, dass der Renditeanstieg bislang erstaunlich ruhig erfolgte. Löst ein Zinsregime ein anderes ab, kann das zu Verwerfungen führen, im Großen wie im Kleinen. Was noch nicht ist, kann noch werden. Aber bisher sind die Warnungen dramatischer als die Bewegungen am Markt.
Bis zur nächsten Zinsentscheidung der EZB ist es noch mehr als ein Monat hin. Zuletzt wurde am Markt für das laufende Jahr mit noch einem weiteren Zinsschritt gerechnet, zum Ende des Jahres hin. Steigen die Renditen bis dahin weiter an, sollte ihr Einfluss auf die Finanzierungsbedingungen für die Entscheidung nicht außer Acht gelassen werden.
