Wie viele Jahre umfasst eine Modelkarriere? In der Regel wohl nur ein paar, die meisten Frauen- und Männermodels machen nach einiger Zeit etwas anderes. David Gandy ist hingegen seit einem Vierteljahrhundert als Model tätig. Es begann mit einem Modelwettbewerb, den der damals 21 Jahre alte Brite während des Studiums gewann. Heute ist er 46 Jahre alt, verheiratet und Vater von zwei Kindern – und immer noch als Model tätig, zum Beispiel für die britische Modemarke Hackett, in deren Kampagnen Gandy gerade zu sehen ist. Ein weiterer großer Auftraggeber ist Dolce & Gabbana. Auch wegen Auftritten in knapper Badehose gewinnt Gandy noch heute häufig Wettbewerbe: zum „Sexiest Men“ wird er regelmäßig gekürt.
Was essen Sie zum Frühstück?
Ich esse gar nichts. Habe ich noch nie gemacht. Trotzdem hielt ich das Frühstück lange für die wichtigste Mahlzeit des Tages – bis ich dahintergekommen bin, wer das erfunden hat: Kellogg’s. Intervallfasten überzeugt mich mehr. Also esse ich bis zum Mittagessen nichts. Davor reicht eine Tasse Kaffee, das war’s.
Wo kaufen Sie Ihre Kleidung ein?
Die Zusammenarbeit mit Hackett trifft sich gut, ich habe nämlich immer schon Hackett gekauft. Jeremy Hackett habe ich vor 20 Jahren kennengelernt. Ich mag die Marke, das ist meine Ästhetik und entspricht dem Stil, den ich auch von der Savile Row in London kenne. Die Schneider dort gefallen mir auch sehr gut. Und dann habe ich noch meine eigene Modelinie, David Gandy Wellwear, daher kommen meine Basics.
Was ist das älteste Kleidungsstück in Ihrem Schrank?
Wahrscheinlich mein erster Anzug, dunkelblau, Nadelstreifen. Mein Vater hatte ihn sich machen lassen, irgendwann in den Achtzigerjahren, und er war gar nicht teuer. Mit 18 habe ich ihn für mich anpassen lassen, denn ich bin ein Stück größer als mein Vater.
Wann haben Sie zuletzt handschriftlich einen Brief verfasst?
Ich schreibe keine Briefe, aber Dankeskarten. Die gefallen mir viel besser als E-Mails oder Whatsapps, obwohl meine Handschrift mit den Jahren immer schlechter wird.
Welches Buch hat Sie in Ihrem Leben am meisten beeindruckt?
Ich lese meistens Sachbücher, „Rogue Heroes“ von Ben Macintyre über die britische Spezialeinheit SAS im Zweiten Weltkrieg fand ich faszinierend. Und dieses Buch über den irischen Antarktisforscher Tom Crean. Wie hieß das nur? Moment, ich google das kurz: „Der stille Held“ von Michael Smith. Darüber zu lesen, wie jemand sechs Monate im ewigen Eis gefangen ist, finde ich schon spannend. Aber mit dieser Erfahrung dann zur nächsten Reise aufzubrechen, ist einfach verrückt.
Wie informieren Sie sich über das Weltgeschehen?
Über das Handy, wie wir alle, aber ich lese auch sehr gerne „The Week“ auf Papier. Das Besondere daran ist, dass diese Zeitung das zusammenfasst, was in den anderen britischen Zeitungen die Woche über erschienen ist. So verstehe ich Zusammenhänge besser, um darüber auch selbst informiert sprechen zu können.
Was ist Ihr bestes Smalltalk-Thema?
Ich bin absolut autoverrückt. Wer auch immer das Bedürfnis hat, über Autos zu sprechen, kann mit mir Stunden verbringen. Das ist meine Leidenschaft. Besonders Oldtimer, mein erstes Auto war ein Mercedes-Benz 190 SL von 1960, dann kam ein Porsche 356 von 1964, heute fahre ich auch einen Jaguar und einen Original-Mini.
Bei welchem Film haben Sie zuletzt geweint?
Das war nicht bei einem Film, sondern bei einer Fernsehserie, „1883“, eine der Vorgeschichten der Serie „Yellowstone“. Großartig! Ich will nichts vorwegnehmen, aber das Ende war für mich als Vater schwer zu ertragen.
Klopf auf Holz – eigentlich nicht. Meine Oma war sehr abergläubisch, und aus Respekt vor ihr stelle ich neue Schuhe noch immer nicht auf den Tisch. Ich weiß bis heute nicht, warum man das nicht machen darf. Ich entdecke auch gerne Theorien des Aberglaubens in anderen Ländern: In Italien zum Beispiel darf man sich am Tisch nicht das Salz reichen. Das würde Unglück bringen. Man muss es zunächst abstellen, und der andere muss es sich nehmen.
Worüber können Sie lachen?
Ich versuche das Leben nicht zu ernst zu nehmen. Lachen ist die beste Medizin, das nehme ich wörtlich. Und meine Kinder bringen mich zum Lachen, sie sind sieben und vier Jahre alt und haben noch keinen Filter. Sie sagen einfach, was sie denken. Das kann sehr lustig sein.
Unabhängig vom Namen klingt einfach alles auf Italienisch besser. Mein Name wäre dann Davide, das klingt doch viel romantischer. Ich habe schottische Wurzeln, mein Großvater hieß James, und das ist auch mein zweiter Name. Hätten wir einen Sohn bekommen, hätten wir ihn Hamish genannt. Auf Mädchennamen kamen wir nicht so einfach. Unsere Töchter heißen jetzt Matilda Ophelia und Tabitha Isabella.
Machen Sie eine Mittagspause?
Ich habe kaum Zeit für Pausen. Ich esse meistens, wenn ich unterwegs bin. Dabei liebe ich Essen und habe wegen des Trainings auch einen hohen Kalorienverbrauch. Wenn ich könnte, würde ich das wie die Franzosen oder Italiener machen und mich zum ausgedehnten Mittagessen mit einem Glas Wein hinsetzen.
In welchem Land würden Sie am liebsten leben?
Obwohl ich viel herumkomme, habe ich immer in Großbritannien gelebt. Ich habe aber eine enge Beziehung zu Dolce & Gabbana und liebe alles an Italien, die Kultur, den Stil, das Essen, die Küste. Gerade waren wir in den Dolomiten.
Was fehlt nie in Ihrem Kühlschrank?
Tomaten habe ich immer im Kühlschrank. Und einen guten alkoholischen Drink. Außerdem alles, was meine Töchter gerne mögen. Wichtig ist jetzt vor allem, dass sie satt werden. Ich habe gerade einen großen Unverträglichkeitstest gemacht, und erst so erfahren, dass ich eine Haselnuss-Intoleranz habe.

Fühlen Sie sich mit oder ohne Auto freier?
Freiheit und Autos gehören für mich zusammen. Ich liebe es zu fahren. Dafür brauche ich auch keinen Oldtimer oder etwas Schnelles, ich fahre einfach gerne Auto.
Was ist Ihr größtes Talent?
Longevity! Ich habe vor 25 Jahren in der Modeindustrie angefangen und bin noch immer da.
Was tun Sie, obwohl es unvernünftig ist?
Ich kann nicht still sitzen. Niemals. Das hat vielleicht auch etwas mit meinem Job in dieser Branche zu tun. Da musste ich immer die nächste Kampagne an Land ziehen, den nächsten Job. So habe ich mir angewöhnt, einfach immer weiterzumachen.
Welche historische Person würden Sie gerne treffen?
Ich hätte zu gerne Paul Newman getroffen, großartiger Schauspieler, der am besten aussehende Mann der Welt und ein Autoliebhaber. Das muss ein toller Typ gewesen sein. Ich arbeite jetzt auch für seine Stiftung. Bald treffe ich seine Tochter, darauf freue ich mich.
Tragen Sie Schmuck? Und eine Uhr?
Von Schmuck habe ich keine Ahnung. Ich sammle aber Vintage-Uhren. Zu den Geburten meiner Töchter habe ich zwei Jaeger-LeCoultre-Reverso-Modelle gekauft und ihre Initialen und Geburtsdaten eingraviert. Dafür musste ich allerdings auch ein paar andere Uhren verkaufen.
Haben Sie einen Lieblingsduft?
Frisch geschnittenes Gras. Das erinnert mich an meine Kindheit, von der Schule heimzukommen, meine Mutter und mein Hund sind zu Hause.
Was war ihr schönstes Ferienerlebnis?
Meine Eltern sind mit mir und meiner Schwester früh weit weggefahren, Gorillas in Uganda, Orang-Utans in Borneo. Sobald meine Kinder alt genug sind, möchte ich mit ihnen auch auf Safari gehen.
Auf welchem Konzert waren Sie zuletzt?
Ich gehe nicht auf Konzerte.
Was fehlt Ihnen zum Glück?
Mir fehlt nichts. Materielles schon gar nicht und meinen Lieben geht es gut, alle sind gesund. Nur das ist wichtig.
Was trinken Sie zum Abendessen?
Immer einen Gin Tonic, das gönne ich mir nach dem Abendessen. Die Queen hat es angeblich auch so gemacht.
