
Vieles von dem, was sich die Fußballfrauen der Eintracht vorgenommen haben, hat sich in den vergangenen Monaten nicht umsetzen lassen. Am Sonntag gelang dem Team nun ein Erfolg in der Bundesliga, der die Wahrscheinlichkeit signifikant erhöhte, dass die Frankfurterinnen das Worst-Case-Szenario abwenden können und in dieser Saison nicht alle angepeilten Ziele verpassen. Mit dem 3:1 gegen den VfL Wolfsburg erarbeiteten sie sich den fünften Heimsieg in Serie.
In der Tabelle kommt die SGE nach 23 Spieltagen auf 45 Punkte, wodurch der dritte Platz hinter Titelverteidiger München (64) und den Niedersächsinnen (49) gefestigt wurde, der die abermalige Qualifikation für die Champions League mit sich bringen würde; einen Wettbewerb, in dem sie zuletzt in der ersten Runde an Real Madrid gescheitert waren. Macht die Eintracht bis Mitte Mai so weiter, ist selbst ein Ein- und Überholen der Wolfsburgerinnen denkbar. Der Vorsprung vor Verfolger TSG Hoffenheim, der erst an diesem Montag (18 Uhr, Magenta Sport) gegen den 1. FC Köln antritt, wuchs drei Spieltage vor Schluss auf sieben Zähler.
Dass die Partie gegen den im Branchenranking vom FC Bayern abgelösten Werksklub nicht früher einen zählbaren Vorsprung für die Frankfurterinnen brachte, hatten sie ihrem eigenen Unvermögen im und um den Strafraum zuzuschreiben. Bis Nicole Anyomi in der 27. Minute nach einem schnellen Vorstoß über die rechte Seite der Führungstreffer gelang, ließen die deutsche Nationalstürmerin (17., 18.), die Schwedin Rebecka Blomqvist (13.) sowie die Schweizerin Géraldine Reuteler (8.) vorzügliche Chancen ungenutzt.
Spielmacherin Laura Freigang fiel erkältet aus
Der VfL, der im vergangenen Monat beim 0:1 im Pokalviertelfinale für die Auswahl von Trainer Niko Arnautis noch eine unüberwindbare Hürde darstellte, nahm kaum aktiv Einfluss aufs Geschehen vor 4722 Zuschauern im Stadion am Brentanobad, sondern sah sich zumeist in die Defensive gedrängt und damit beschäftigt, auf die Attacken der Eintracht zu reagieren. Mit dem Speed, den die Frankfurterinnen, die kurzfristig auf die erkältete Offensivkraft Laura Freigang verzichten mussten, bei ihren Vorstößen anschlugen, konnten die Wolfsburgerinnen nicht Schritt halten.
Das 2:0 durch Ereleta Memeti (44.) war die Belohnung für das emsige Engagement – das, wenn es regelmäßiger gezeigt worden wäre, in dieser Runde deutlich mehr ermöglicht hätte. 46 Sekunden nach Wiederanpfiff des zweiten Abschnitts erhöhte Nadine Riesen auf 3:0. Bei ihrem Fernschuss leistete die Wolfsburger Keeperin Martina Tufekovic tatkräftige Mithilfe, indem sie die Kugel unter dem Körper hindurch über die Linie rollen ließ. Ein von Janina Minge verwandelter Handelfmeter (84.) machte danach die ungenügende VfL-Leistung nur unwesentlich schmeichelhafter.
Reuteler und Senß überzeugen
Als Kreativkopf, der es mal per Körpertäuschung und dann per Tempoverschärfung verstand, sich seinen Bewacherinnen zu entziehen, tat sich im Adler-Trikot Reuteler hervor. Die 27-Jährige, die schon Mitte des Vorjahres nach einer für sie überzeugend gelaufenen Europameisterschaft Abwanderungsgedanken hegte, steht dem Vernehmen nach vor einer Übereinkunft mit dem FC Arsenal aus der englischen Women’s Super League. Sie und Mittelfeldkollegin Elisa Senß, deren Wechsel nach München feststeht, machten einmal mehr deutlich, wie groß die Lücke sein wird, die das energiegeladene Duo hinterlässt.
Immerhin verbessert die immer sichtbarer Kontur annehmende Perspektive, nach der Sommerpause abermals über die Grenzen hinaus im Einsatz zu sein, den Handlungsspielraum der neuen Sportdirektorin Babett Peter beim Werben um Ersatz auf dem Transfermarkt. Ihr schwebt „eine führende Rolle“ für die Eintracht vor, „national wie international“. So weit ist es längst noch nicht. Aber mittlerweile klingt es nicht mehr so vermessen wie bei ihrem Einstieg im Dezember.
