
Gut Ding braucht Weile. Und deshalb lässt sich die politisch gewünschte Umstellung in den deutschen Heizungskellern auch nicht einfach verordnen. Was nicht zuletzt die von Wirtschaftsminister Robert Habeck geführten Grünen in Berlin, damals noch in der Regierungsverantwortung, schmerzlich erfahren mussten. Umso mehr ist es zu loben, dass in Mainz derzeit mit verschiedenen Bürgerbeteiligungen versucht wird, die aus Gründen des Klimaschutzes zweifellos notwendige Wärmewende voranzubringen. Selbst die von den Grünen gestellte Umweltdezernentin, Janina Steinkrüger, weiß genau, wie wichtig es ist, Haus- und Heizungsbesitzer in aller Ruhe von der Notwendigkeit eines baldigen Brennstoffwechsels zu überzeugen, wenngleich ihr die eigene Ungeduld in Gesprächen bisweilen durchaus anzumerken ist.
Unschlagbare Wirkungsgrade
Wer sich auf der Energiemesse in der Rheingoldhalle am Mittwoch vorurteilsfrei umgesehen und umgehört hat, fand tatsächlich viele überzeugende Argumente dafür, warum eine Wärmepumpe sogar in schmucken Altbauten mit wertvollen Holzböden die beste Lösung sein kann. Installiert werden diese Anlagen bisher zwar vor allem in neu errichteten Häusern und Wohnungen. Schier unschlagbare Wirkungsgrade von 300 bis 500 Prozent, die aus einer Kilowattstunde Strom bis zu fünf Kilowattstunden Wärme machen, sowie die noch immer gewährten staatlichen Förderungen sorgen jedoch nicht selten dafür, dass Wärmepumpen – so von den beteiligten Experten vorab denn alles richtig berechnet wurde – selbst in 100 Jahre alten Häusern eine Zukunft haben.
Dass man den Bürgern womöglich ein bisschen mehr Zeit lassen muss, wenn man sie von den Vorteilen der Wärmewende überzeugen will, haben auch Klimaschützer mittlerweile verstanden. Persönliche Erlebnisse, etwa von Freunden und Nachbarn, aber auch Rohstoff-Krisen, wie sie aktuell als Folge des Irankriegs zu erleben sind, tun das ihre für einen langsamen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung. In Mainz, wo schon länger am kommunalen Wärmeplan gearbeitet wird, sind sie auf einem guten Weg. Dennoch muss weiterhin Überzeugungsarbeit geleistet werden. Wenn es zum Beispiel darum geht, warum ein Stadtteil mit Fernwärme versorgt werden soll, derweil sich anderswo in der Stadt die Bürger selbst um ihre neuen Heizungsanlagen kümmern müssen. Schnell besteht da die Gefahr, dass sich wieder irgendwer zurückgesetzt oder schlecht behandelt fühlt. Und dagegen hilft dann nur eine transparente Politik, die auf „erklären statt belehren“ setzt.
