1. Kein Land stößt so viele Treibhausgase aus wie China, das Land ist entscheidend für die Eindämmung des Klimawandels. Aktuelle Zahlen bieten Anlass zur Hoffnung: Die Emissionen dort sind zuletzt leicht gefallen, der Ausbau der erneuerbaren Energien geht so schnell voran wie nirgends sonst. Und in Indien, das noch sehr viel ärmer ist, zeichnet sich ein Entwicklungspfad ab, der viel weniger auf fossilen Brennstoffen basiert, trotz starken Wirtschaftswachstums. Billige Solarzellen und Batterien sowie eine Wirtschaft, die stärker auf Dienstleistungen setzt, machen es möglich.
2. Und es gibt noch eine gute Nachricht im Kampf gegen den Klimawandel. Ökonomen werben seit Jahrzehnten für CO₂-Preise als kostengünstigste Klimaschutzmethode. Jetzt setzen sie sich immer stärker durch. Auf der Welt gibt es inzwischen rund 80 Systeme für CO₂-Preise – auch in großen Schwellenländern wie China und Indien. Für 28 Prozent der globalen Emissionen müssen mittlerweile Preise bezahlt werden, dieser Anteil hat sich seit 2020 verdoppelt.

3. Ganze 54 Jahre lang hatte kein Mensch mehr die Umlaufbahn der Erde verlassen. Dann kam Artemis II. Die Bilder, die vier Astronauten aus 400.000 Kilometer Entfernung zurück zur Erde schickten, sind atemberaubend. Es ist der Beginn eines neuen Zeitalters der Raumfahrt. 2028 sollen erstmals wieder Menschen auf dem Mond landen – und dann jedes Jahr wiederkommen. Die Mondmission zeigt, zu welchen Großleistungen Menschen fähig sind, wenn sie zusammenarbeiten.
Tolle Start-ups, besseres Essen, längeres Leben
4. Deutsche Start-ups sind international abgehängt? Nicht alle! Bei gleich mehreren wichtigen Zukunftstechnologien reden deutsche Gründer ein Wörtchen mit. Quantencomputing soll Rechenaufgaben bewältigen, für die herkömmliche Computer tausend Jahre bräuchten und so unter anderem die Entwicklung neuer Medikamente ermöglichen. Kernfusion verspricht stetig fließende saubere Energie. Und Raketen in den Orbit zu schießen, das muss man nicht Elon Musk überlassen.

5. Essen und Trinken machen wieder Spaß, weil es endlich so viele geschmacklich akzeptable alkoholfreie und fleischlose Varianten gibt, dass sie einfach bunt gemischt neben den anderen Speisen und Getränken stehen können. Es tut nicht mehr weh, auf bestimmte Zutaten zu verzichten, und wer es macht, bekommt dafür folglich auch keinen Opferheldenstatus mehr. Ein freudloser Glaubenskampf ist vorbei, einfallsreichen Köchen und Barkeepern sei Dank!
6. Der Kampf gegen den Krebs hat Erfolg: In den vergangenen 25 Jahren sind die Sterberaten laut Robert-Koch-Institut um 20 bis 30 Prozent gesunken. Auch die Zahl der neuen Erkrankungen ist leicht rückläufig, wenn man das Alter der Deutschen berücksichtigt. Generell leben die Deutschen immer länger: Die Lebenserwartung ist seit Anfang des Jahrtausends um 3 Jahre gestiegen. Und der medizinische Fortschritt geht weiter: Gerade hat eine mRNA-Impfung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs vielversprechende Ergebnisse gezeigt.
Mehr Tore, einfaches Fliegen, und die Digitalisierung geht voran
7. Im Profifußball hat sich die Offensive durchgesetzt. Jahrzehntelang ging es auf dem Platz vor allem ums Torevermeiden, das schien besonders effizient. Oft war ein ödes 0:0 die Folge, in der schlimmsten Bundesligasaison fielen im Durchschnitt nur 2,6 Tore je Spiel. Das war 1990. Seitdem haben begnadete Spieler, mutige Trainer (und Manager, die verstanden haben, dass Zuschauer und Sponsoren das Spektakel lieben) die Ökonomie des Fußballs neu erfunden: Diese Saison sind 3,8 Tore je Spiel drin, mehr als je zuvor in der Bundesliga.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
8. Endlich kommt die Digitalisierung wenigstens ein bisschen im Leben der Bürger an. Rezepte gibt es seit zwei Jahren auf der Krankenversicherungskarte, der Papierkram hat (bei den meisten Ärzten) ein Ende. Auch Befunde und verschriebene Medikamente können über die Elektronische Patientenakte dort gespeichert werden, damit die Ärzte wissen, was die Kollegen herausgefunden haben, und alles schneller geht. Einige Behördengänge können jetzt online erledigt werden, den Kfz-Schein gibt es im Handy, noch in diesem Jahr soll der Führerschein folgen.

9. Fliegen ist einfacher und sicherer geworden. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurden die Kontrollen erst verschärft – doch jetzt geht es wieder schneller, längere Wartezeiten gibt es fast nur noch zu Ferienbeginn und -ende. Neue Durchleuchtungsgeräte für das Handgepäck machen es möglich. Sie werden an immer mehr großen Flughäfen eingebaut. Das Auspacken von elektronischen Geräte und Flüssigkeiten entfällt. Die Bundespolizei hilft beim Zeitsparen, indem die Passkontrolle auch per Gesichtserkennung möglich ist.
Mehr Vereinssport, mehr Urlaub, mehr Professorinnen
10. Wir treiben mehr gemeinsamen Sport. Deutschlands Vereine erleben einen Mitgliederzuwachs. 89.000 Vereine gibt es hierzulande, mit insgesamt 29,3 Millionen Mitgliedern. In vielen Städten organisieren sich junge Leute zudem selbst und verabreden sich über Instagram zu gemeinsamen Sporteinheiten wie Fahrradausfahrten oder Lauftreffs. In Schwärmen laufen sie am Wochenende und an den Feierabenden durch die Straßen und Parks von Frankfurt, München oder Berlin.
11. Die Deutschen leisten sich mehr Urlaub als früher. Rund 70 Millionen Urlaubsreisen unternehmen die Deutschen über 14 Jahren jährlich, mehr als die Hälfte von ihnen fährt inzwischen mehrmals im Jahr.
12. Mehr als doppelt so viele Frauen wie noch vor 20 Jahren haben eine Professur. Ende 2024 lag der Anteil bei 30 Prozent, 2004 waren es noch 14 Prozent, hat das Statistische Bundesamt errechnet.

13. Der vom Aussterben bedrohte Kakapo bekommt wieder mehr Nachwuchs. Der flugunfähige Papagei aus Neuseeland vermehrt sich nur alle zwei bis vier Jahre, denn für die Fortpflanzung benötigt er die Beeren der Rimu-Bäume. Davon scheinen derzeit einige vorhanden zu sein: Schon jetzt gebe es mehr als 250 Eier und mehr als 100 geschlüpfte Küken. Forscher sprechen von einem Rekord.
Spitzenindustrie, neue Autos, Hilfe für eine chronische Krankheit
14. Die deutsche Industrie ist im Niedergang? Siemens Energy liefert den Gegenbeweis – mit Produkten, die noch vor Kurzem als Langweiler galten. Das Geschäft des Dax-Konzerns aus Berlin boomt, Siemens Energy zählt zu den Weltmarktführern bei Kraftwerksturbinen, Transformatoren und Stromnetztechnik. Alles Dinge, die dringend benötigt werden, um die vielen neuen KI-Rechenzentren mit Energie zu versorgen.

15. Die deutsche Autoindustrie hat zwar allein 2025 im Inland mehr als 50.000 Arbeitsplätze gestrichen. Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Die Hersteller kämpfen nicht nur mit Kostenkürzungen gegen die Krise – sie gehen auch mit neuen Modellen in die Offensive. BMW und Mercedes haben bis Ende 2027 jeweils rund 40 neue und überarbeitete Autos angekündigt. So viele wie noch nie.
16. Endometriose wird häufiger und früher diagnostiziert. Grund dafür ist der Fortschritt in der Diagnostik und ein größeres Bewusstsein gegenüber der Krankheit. Endometriose ist eine chronische Erkrankung. Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, wächst dabei außerhalb der Gebärmutter. Betroffene Frauen leiden unter starken Schmerzen.
Die Bahn wird besser, es wird mehr recycelt
17. Die Bahn wird endlich von der Politik als wichtig wahrgenommen. Seit der Bahnreform 1994 wurde zu wenig investiert, das Schienennetz wurde kleiner und veraltete. Seit einigen Jahren haben die Regierungen den Wert einer funktionierenden Bahn neu erkannt, vor allem für den Klimaschutz. Seitdem wurden die Mittel für die Sanierung des Netzes deutlich aufgestockt. Es wird allerdings noch einige Jahre dauern, bis die wichtigsten Strecken erneuert sind und die Pünktlichkeit wieder steigt.

Die EU ist noch ambitionierter. Sie will auch den Neubau von Bahnstrecken vorantreiben. Es soll ein echtes Hochgeschwindigkeitsnetz in Europa entstehen, das die Fahrtzeiten verkürzt. Bisher ist das allerdings nur ein Wunschprojekt, die Realisierung wird noch viele Jahre auf sich warten lassen. In Deutschland haben schon jetzt schnelle ICE-Strecken die eine Großstadt zum Vorort der anderen gemacht. So pendeln die Leute in einer knappen halben Stunde mit Hochgeschwindigkeit zwischen Erfurt und Leipzig, Ingolstadt und Nürnberg und zwischen Ulm und Stuttgart.
18. Plastik hat unser Leben revolutioniert, ohne den Kunststoff gäbe es weder Smartphones, Einwegspritzen noch Funktionsshirts. Doch die Plastikflut hat auch ihre Kehrseite. Um Umweltschäden zu reduzieren, wird Kunststoff in Deutschland fleißig wiederverwertet. Die Recyclingquote hat sich über die Jahre immer weiter verbessert und liegt mittlerweile bei mehr als 70 Prozent. Ein Grund für die steigende Quote ist auch die bessere Technik: Die Sortier- und Verwertungsanlagen trennen den Müll besser und bereiten ihn effektiver auf als früher.
Pille für den Mann, Schutz für die Ozeane und für die Tiere
19. Verhütung ist schon längst nicht mehr nur Frauensache. In Zukunft könnten Männer aber eine aktivere Rolle einnehmen: Eine hormonfreie Antibabypille für den Mann hat erste klinische Tests bestanden.
20. Erstmals stehen mehr als zehn Prozent der Ozeane unter Schutz. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen spricht von einem Meilenstein. Bis zum Jahr 2030 soll die Quote auf 30 Prozent anwachsen.
21. Es tut sich was für mehr Tierschutz. Die Europäische Union geht stärker gegen Qualzucht, Tierleid und den illegalen Handel mit Hunden und Katzen vor. Ende April wurde eine Verordnung für mehr Tierschutz verabschiedet, die Zucht und Verstümmelung der Tiere sowie das Anbinden von Hunden und Katzen an Gegenständen strenger reguliert. Außerdem schreibt sie die Kennzeichnung durch Mikrochips für Hunde und Katzen vor.
Hilfe für Malaria, mehr Zeit für Schönes, erfolgreicher Umweltschutz
22. Eine der gefährlichsten Krankheiten der Welt wird handhabbarer. War ein Neugeborenes oder ein Kind im Säuglingsalter mit Malaria infiziert, gab es bisher keine passgenaue Medikation. Nun wurde diese Versorgungslücke geschlossen. Die Weltgesundheitsorganisation hat das erste Medikament gegen Malaria speziell für Babys freigegeben. Bisher wurden Kleinkinder mit Medikamenten für ältere Kinder behandelt, was Falschdosierungen oder Nebenwirkungen zur Folge hatte.

23. Wir haben mehr Freizeit. Verglichen mit 2001, haben die Deutschen insgesamt rund eine Stunde mehr in der Woche für Lesen und Fernsehen, Hobbys und Spiele, Sport und Treffen mit Freunden. Frauen haben jetzt knapp 42 Stunden in der Woche zur Verfügung, Männer rund 44 Stunden.
24. Die Menschheit kann auch enorme globale Umweltschäden rückgängig machen, wenn sie an einem Strang zieht. Vor 25 Jahren war das Angstthema der Stunde noch das Ozonloch. So groß wie Nordamerika war damals das Loch, das schädliche UV-Strahlen durchlässt. Dabei war die Wende längst eingeleitet. 1987 wurde das Verbot der schädlichen FCKW-Gase auf den Weg gebracht. Inzwischen ist das Ozonloch geschrumpft. Die Weltwetterorganisation erwartet, dass die Ozonschicht sich bis Mitte des Jahrhunderts wieder auf das Niveau der Achtzigerjahre erholen wird.
25. Die Armen sind reicher geworden. Zwar hat die Bundesrepublik in den vergangenen Jahren mehr als zwei Millionen Flüchtlinge aufgenommen, die oft ohne Hab und Gut ankamen, trotzdem ist die Quote der Armutsgefährdeten seit 2001 von 18,9 Prozent auf unter 18 Prozent gesunken – oder sogar noch weiter, je nach Datenquelle. Dabei ist die Armutsgrenze gestiegen, auch die als arm gezählten Leute können sich mehr leisten als damals.
