
Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Samstag im Kurhaus von Baden-Baden ist die Zahl der Wahlberechtigten stark begrenzt. Laut Paragraph 16 der DOSB-Satzung ist es unter den 103 Mitgliedsorganisationen des DOSB nur den olympischen Spitzenverbänden erlaubt, zwischen München und Rhein-Ruhr mit Köln als deutschem Kandidaten für Sommerspiele zu entscheiden. Zudem dürfen noch die Mitglieder des Präsidiums (zehn) und die Persönlichen Mitglieder des DOSB (acht) abstimmen.
Jeder der 42 olympischen Fachverbände (inklusive Wintersport) hat drei Stimmen, ob nun Deutscher Fußball-Bund (DFB) mit 8,2 Millionen Mitgliedern oder der Snowboard-Verband Deutschland (36.000). Das Stimmenpaketchen darf nicht verteilt werden. Falls alle Wahlberechtigten kämen und regelkonform abstimmten, würden 144 Voten vergeben. Dazu wird es wohl nicht kommen, da der frühere Nationalspieler Leon Goretzka bereits absagen ließ.
Behindertensportverband darf nicht wählen
Ausgeschlossen von der Wahl sind unter anderem die Landessportbünde, obwohl sie wesentlich zum Spitzensport beitragen, sowie der Deutsche Behindertensportverband (DBS). Die Kritik daran hält sich selbst in den Reihen der Betroffenen in Grenzen. Der DOSB hätte dazu seine Satzung ändern müssen. Mitglieder des DBS verweisen auf ihre Inklusion in einigen olympischen Fachverbänden. Der DBS war bei der Bewertung der Kandidaten einbezogen.
Nach dem Rückzug von Berlin am Donnerstag wird es nur noch einen Wahlgang geben. Das Ergebnis soll Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zwischen 13:45 und 14:45 Uhr bekannt geben, die ARD überträgt. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und sein Kollege in Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst (CDU), reisen nach Baden-Baden.
Der Sieger wird vom DOSB beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) als deutscher Kandidat angemeldet. 2029 will das IOC dem Vernehmen nach entscheiden, wer die Spiele 2036 ausrichtet. Inzwischen ist nicht mehr ausgeschlossen, dass dabei Europa infrage kommt. Andernfalls würden sich die Deutschen für 2040 oder 2044 bewerben. Würde der deutsche Kandidat beim Auswahlprozess des IOC 2028 durchfallen oder 2036 scheitern, wäre die Kampagne beendet. Die letzten sieben Versuche scheiterten. Zuletzt richtete Deutschland Sommerspiele 1972 in München aus.
