
Die Ergebnisse der Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern haben die Finanzmärkte am Montag nur in begrenztem Ausmaß bewegt. Das starke Abschneiden von AfD und Linkspartei scheint kurzfristig kaum Auswirkungen auf die Börsen zu haben. Allenfalls die Debatte um eine Vergesellschaftung der Bestände von Immobilienunternehmen bewegte die Kurse. Die Papiere von Vonovia sackten ans Dax-Ende. Ansonsten scheinen Hoffnungszeichen im Irankonflikt sowie im Konflikt zwischen China und den Vereinigten Staaten sowie der schwächere Ölpreis stärkere Auswirkungen auf die Märkte zu haben als die Wahlen.
„Die konkretesten Auswirkungen sehe ich beim Euro, der angesichts des Wahlergebnisses und der Unsicherheit über die Stabilität der Regierungskoalition leicht nachgegeben hat“, sagte Cyrus de la Rubia, Ökonom der Hamburg Commercial Bank: „Sollte es zu einer veritablen Regierungskrise kommen, würde sich diese Bewegung noch verstärken.“
Dax legt am Montag zu
Der deutsche Leitindex Dax stieg im Handelsverlauf um gut ein Prozent auf 25.575 Punkte. Der M-Dax der mittelgroßen Unternehmen gewann 0,4 Prozent auf 31.194 Zähler. Die Titel von Immobilienunternehmen wie Vonovia, Deutsche Wohnen und LEG verloren im Handelsverlauf zwischen einem und mehr als zwei Prozent. Vonovia gab zeitweise 2,3 Prozent nach und sackte damit ans Dax-Ende. LEG verlore 1,34 Prozent und Deutsche Wohnen 0,99 Prozent. Hintergrund: Die Linke hat die Wahl in Berlin deutlich gewonnen. Linken-Spitzenkandidatin und Wahlsiegerin Elif Eralp will hart gegen Spekulationen auf dem Wohnungsmarkt durchgreifen und strebt eine Vergesellschaftung der Bestände von Wohnungsunternehmen an.
Ölpreis sinkt den dritten Tag nacheinander
„Die leichten Kursgewinne des deutschen Aktienindex gehen ausschließlich auf internationale Entwicklungen zurück“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt von HQ Trust: „Positive Impulse der asiatischen Börsen, leicht rückläufige Ölpreise und Hoffnungen auf eine Entschärfung der Krise im Nahen Osten.“ Für den Aktienmarkt sei der Ausgang der Wahlen keine Überraschung. „Sollte die Regierungskoalition aber die falschen Konsequenzen aus dem Wahlausgang ziehen und die in wichtigen Bereichen wie der Steuerpolitik und der Arbeitsmarktpolitik ohnehin minimalen Reformen in Frage stellen, werden Anleger die Wachstumsaussichten Deutschlands sehr kritisch sehen“, sagte Heise: „Ein Scheitern der Rentenreform wäre ein besonders bitterer Beleg für die Reformunfähigkeit Deutschlands.“
„Für wohnungswirtschaftliche Unternehmen bringt der Wahlausgang in Berlin besondere Risiken“, sagte Heise: „Die bislang verhalten negative Reaktion ihrer Aktienkurse geht wohl darauf zurück, dass die zukünftige Regierungskonstellation in Berlin noch nicht feststeht. Hinzu kommt, dass die Vergesellschaftung des Wohnungsbestandes erhebliche rechtliche Hürden zu überwinden hätte.“
Welche sind die Folgen für die Wirtschaftspolitik?
Für die Märkte seien das globale Wachstum und die Entwicklung der Unternehmensgewinne relevant, sagte Reinhard Pfingsten, Chefanlagestratege der Deutschen Apotheker- und Ärztebank: „Und da sind die Landtagswahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern erstmal irrelevant.“ Auf Einzelaktienebene kämen einem nur die Immobilienaktien in den Sinn, für die das relevant werden könnte.
Die deutlichen Kursrückgänge für Anleihen und Aktien der Immobilienunternehmen hätten schon in den vergangenen Wochen stattgefunden, meinte Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank: „Die Wahlergebnisse zeichneten sich ja schon länger ab.“
Ökonomen und andere Beobachter machten sich natürlich auch Gedanken, was man aus diesen Ergebnissen für die Entwicklung im Bund ablesen könne. Etwa ob die Wirtschaftspolitik als Reaktion auf eine weiter erstarkende AfD generell nach links rücke, notwendige Reformen zurückgedreht würden oder spätere Regierungen überhaupt nicht mehr handlungsfähig sein könnten. „Diese Fragen werden auch bei internationalen Investoren gestellt“, sagte Kater. Einige dieser Fragen, etwa nach der Reformfähigkeit des Landes, würden in den kommenden Wochen besser zu beantworten sein, andere würden erst bei der nächsten Bundestagswahl beantwortet, meine Kater: „Finanzmärkte verarbeiten solche langfristigen politischen Entwicklungen nicht spektakulär an einem Tag, sondern schleichend, wie etwa die Verschlechterung der Finanzierungskonditionen des Bundes in diesem Jahr zeigt.“
