„Deutschland hat immer wieder bewiesen, dass es ein hervorragender und zuverlässiger Gastgeber für große Leichtathletik-Veranstaltungen ist“, sagte Coe und fügte hinzu: „Wir wissen, dass es in Deutschland ein begeistertes Publikum für die Leichtathletik gibt. Und wir sind überzeugt, dass München 2031 alle Voraussetzungen mitbringt, um eine spektakuläre Weltmeisterschaft auszurichten.“
Rückenwind für Bewerbung um Olympische Spiele
Die WM soll vor allem im Olympiastadion ausgetragen werden, dessen Sanierung bis dahin abgeschlossen sein soll. Die Stadt rechnet für 2031 mit Kosten in Höhe von rund 123 Millionen Euro. Im März, als der Stadtrat die Bewerbung beschlossen hatte, war noch von Gesamtausgaben in Höhe von 110 Millionen Euro die Rede.
Die Kosten für die Ausrichtung will sich die Stadt zu gleichen Teilen mit dem Bund und dem Freistaat Bayern teilen. Eine finanzielle Zusicherung durch das Kabinett von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte München allerdings erst vor wenigen Wochen erhalten. Trotz der Zuschüsse wird die Stadt wohl noch Investitionen von mehr als 30 Millionen Euro stemmen müssen.

München musste sich beim Leichtathletik-Weltverband für beide Termine bewerben. Im Rathaus wurde jedoch die Ausgabe in 2031 präferiert, da 2029 mit dem Deutschen Turnfest im Mai sowie der Fußball-EM der Frauen im Juli und August bereits zwei große Sportereignisse in der bayerischen Landeshauptstadt stattfinden.
Eine Leichtathletik-WM gehöre mit rund 50 Wettbewerben „zu den prestigeträchtigsten und bedeutendsten Sportgroßereignissen weltweit“, hatte Staatsminister Florian Herrmann (CSU) vor der Vergabe betont. Nur Olympia und Fußball-Weltmeisterschaften seien noch höher anzusiedeln, was das öffentliche Interesse angehe. „Es ist immer das erklärte Ziel der Bayerischen Staatsregierung, solche Sportgroßereignisse nach Bayern beziehungsweise München zu holen.“
Die Austragung einer Leichtathletik-WM dürfte die Stadt auch in ihren Bemühungen um Olympische Spiele unterstützen. Am 26. September entscheidet der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), welcher deutsche Kandidat für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 nominiert wird. Neben München haben auch Berlin und die Region Rhein-Ruhr ihr Interesse bekundet.
„Nächste Generation inspirieren“
Der neue Sportstaatsminister Ronald Rauhe erhofft sich von der Großveranstaltung positive Effekte für den Breiten- und Spitzensport. „Diese Weltmeisterschaften sollen junge Menschen dazu ermutigen, an ihr eigenes Potential zu glauben“, sagte er bei einer Pressekonferenz des Leichtathletik-Weltverbandes: „Sie sollen die nächste Generation von Sportlern aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt inspirieren.“ Die Leichtathletik-WM 2031 werde „ein Fest des Sports und für unser Land“.
Auch Coe verwies auf die deutsche Leichtathletiktradition. Berlin 2009 bleibe „eine der unvergesslichsten Auflagen der Weltmeisterschaften“. Damals schrieb der Jamaikaner Usain Bolt mit Weltrekorden über 100 und 200 Meter Geschichte, die noch immer Bestand haben. Seitdem habe der Sport bei den Europameisterschaften 2018 in Berlin und 2022 in München eine enorme Unterstützung erlebt. Die Atmosphäre sei „außergewöhnlich“ gewesen, sagte der Weltverbandspräsident, „und die Zuschauerzahlen haben gezeigt, wie groß das Interesse an Großveranstaltungen in der Stadt und in ganz Deutschland ist.“
Bei den Wettkämpfen werden an neun Tagen mehr als 2000 Athletinnen und Athleten aus 195 Ländern antreten. Mit der Entscheidung für München und Nairobi setzt World Athletics zugleich ein demographisches Zeichen. Coe hatte immer wieder betont, dass der afrikanische Kontinent mehr internationale Veranstaltungen verdient habe.
Nairobi hatte sich bereits um die WM 2025 beworben, sich bei der Vergabe aber Tokio geschlagen geben müssen. Diesmal habe die Stadt eine „überzeugende und emotionale Bewerbung“ vorgelegt, sagte Coe: „Mit dem heutigen Beschluss setzen wir unsere Mission fort, die Leichtathletik weltweit zu fördern, indem wir die nächsten drei Weltmeisterschaften in Asien, Afrika und Europa ausrichten.“
Kenia sei eine der großen Leichtathletiknationen. Der Sport sei fest im Land verwurzelt, und Athleten wie die Weltmeister Faith Kipyegon, Vivian Cheruiyot, Eliud Kipchoge, Hellen Obiri und David Rudisha hätten die Geschichte des Sports geprägt. Die Vergabe fällt allerdings auch in eine Zeit, in der Kenias Leichtathletik weiterhin mit Dopingproblemen kämpft. Seit 2017 wurden nach Angaben der Athletics Integrity Unit (AIU) mehr als 140 kenianische Athleten und damit mehr als aus jedem anderen Land suspendiert.
„Es war wichtig, dass die Weltmeisterschaften nach Afrika kommen, sobald wir den richtigen Gastgeber, die richtige Bewerbung und die richtigen Umstände haben“, betonte Coe: „Nairobi hat eindrucksvoll bewiesen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für sie gekommen ist.“
