Sie nannten ihn „Hammer-Schorsch“: Georg Grozer war als György Grózer zur Welt gekommen. Doch in der Volleyballwelt kannten ihn alle unter seinem Spitznamen. Den Ehrentitel hatte er sich als schlagkräftiger, sprunggewaltiger und dynamischer Angreifer in den Neunzigerjahren erschmettert.
Doch der Name überdauerte nicht nur seine Karriere, sondern wurde sogar an seine Nachkommen weitergegeben. Grozer senior blieb für immer der „Hammer-Schorsch“. Sein Sohn Georg Grozer junior, 41, ist noch immer der „Hammer-Schorsch“. Und selbst seine Enkelin Leana, 19, mittlerweile vielversprechende Nationalspielerin, wird mit dem „Hammer“ assoziiert.
In Moers noch heute verehrt
Der 1964 in Budapest geborene György Grózer war in seinem Heimatland Ungarn schon in jungen Jahren zum Nationalspieler aufgestiegen. Er absolvierte 70 Länderspiele, ehe er 1985 nach Deutschland auswanderte. Nach einem Umweg über Belgien wurde er beim Moerser SC heimisch und führte den Klub zu ungeahnten Höhenflügen.
Mit dem Team vom Niederrhein gewann Grozer Anfang der Neunzigerjahre den deutschen Meistertitel, wurde zweimal Pokalsieger und holte sogar den Europapokal. 1992 wurde er zu Deutschlands „Volleyballer des Jahres“ gekürt. In den Kategorien „Aufschlag“ und „Angriff“ erzielte er mehrfach Spitzenplätze in den einschlägigen Ranglisten. Später war er in Moers auch als Trainer aktiv und führte seinen Sohn an die Weltspitze heran.
„Mit seinen unfassbar kraftvollen Aufschlägen und Angriffsschlägen verdiente er sich nicht nur seinen legendären Beinamen ‚Hammer-Schorsch‘“, würdigte ihn Guido Lohmann, der Vorsitzende des Moerser SC, in einer Mitteilung auf Instagram: „Er spielte sich damit auch in die Herzen der Moerser Volleyballfans. Georg war ein außergewöhnlicher Weltklasseathlet und eine der prägendsten Persönlichkeiten in der Geschichte unseres Vereins.“
Nachdem er die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte, war Grozer auch für die Nationalmannschaft spielberechtigt. Er brachte es aber nur auf 19 Länderspiele, was an Differenzen mit dem damaligen Bundestrainer Igor Prieložný lag. Grozer wurde stets als eigenwillig mit leichtem Hang zur Exzentrik wahrgenommen.
Sein Sohn Georg junior gilt dagegen trotz sportlicher Ausnahmestellung als ausgesprochener Teamplayer. Der siebenmalige „Volleyballer des Jahres“ ist schon seit zwei Jahrzehnten die prägende Figur der deutschen Nationalmannschaft. Als durchschlagskräftiger Diagonalangreifer führte er das Team zu WM-Bronze (2014), EM-Silber (2017) sowie zu zwei Teilnahmen an Olympischen Spielen. Bei den derzeit laufenden Europameisterschaften pausiert der Einundvierzigjährige nur verletzungsbedingt.
Das sportliche Grozer-Erbe trugen auch Tochter Dora, 30, und Sohn Tim, 27, die beide in der Bundesliga und anderen europäischen Ligen spielten. Als größtes Talent gilt allerdings Enkelin Leana Grozer, die schon als Teenager den Sprung in die Nationalmannschaft schaffte und kommende Saison in der starken italienischen Liga auftreten wird.
Georg Grozer senior, auch bekannt als György Grózer, ist am vergangenen Samstag zwei Tage vor seinem 62. Geburtstag in seinem Haus in Veresegyház plötzlich und unerwartet gestorben.
