
Seit 1989 wird der hessische Kinopreis verliehen. Immer im Bewusstsein, dass die wackeren Kinomacher, die gewerblichen wie die kommunalen oder vereinsgetragenen, ihre Programmarbeit gar nicht leisten könnten, dürften sie nicht mit Preisgeldern die Löcher im kargen Budget stopfen. In diesem Jahr sind es das Traumstern in Lich und das Mal Seh’n in Frankfurt, die sich über je 20.000 Euro Hauptpreis freuen können. 1990 ist der Hessische Filmpreis dazu gekommen,und spätestens seit diesem Jahr auch die Diskussion: Ist der Preis hoch genug dotiert? Wird er in würdigem Rahmen vergeben? Nach Jahren im beengten Wiesbadener Caligari war die Gala in der Alten Oper vielen auch nicht recht – sie hat mit rund 500.000 Euro deutlich mehr gekostet, als mancher Film je an Fördermitteln bekam.
Das ist dieses Jahr anders. Die Gala ist abgesagt worden – man wolle, so der hessische Kunstminister Timon Gremmels (SPD), im Sparzwang nicht an der Filmförderung selbst sparen. An die Kinos werden wie 2025 215.000 Euro ausgeschüttet. Die Preissummen für die Filme sind gleich geblieben. Als „Newcomer“ hat sich Gremmels den in seiner Heimat Kassel aufgewachsenen Joscha Bongard („Babystar“) ausgesucht. Am 9. Oktober, dem Buchmesse-Freitag, werden die restlichen Preisträger bekannt gegeben, und auch an denen wird gespart.
Der Sparwille rafft den undotierten Ehrenpreis des Ministerpräsidenten dahin, ebenso den zweiten der undotierten Schauspielpreise, die vom Hessischen Rundfunk vergeben werden. Dieser beschränkt sich darauf, das eigene neue „Tatort“-Team, Melika Foroutan und Edin Hasanovic, zu prämieren.
Immerhin wird mit Volker Schlöndorff als Preisträger der Buchmesse für die beste Romanadaption in „Heimsuchung“ ein Star und Oscar-Preisträger erwartet, und die Nominierten, vom Spielfilm „Vaterland“ bis zum Dokumentarfilm „Sieben Kreise der Hölle“, lassen sich sehen. Nur müssen all die Gäste Platz auf den nur 130 roten Sesseln im Kino des Deutschen Filminstituts und Filmmuseums finden. Hinterher dürfen ein paar mehr Kollegen kommen, dann gibt es noch eine Party. Aber auch an einer Übertragung der Preisverleihung ins Foyer für diese Gäste wird gespart. Nominierte und Preisträger, die schon feststehen, sind unter „Film- und Kinopreis“ auf der Seite wissenschaft.hessen.de zu finden. Dass viele der Filme derzeit im Kino und auf Festivals laufen, ist eine gute Sache. Denn offenbar ist auch die so lobenswerte, aber offenbar kurzlebige Initiative eingespart worden, die Preisträgerfilme im Anschluss im Kino zu zeigen. Wie geht es 2027 mit dem Preis weiter? Der Minister übt sich in der filmischen Kunst des Cliffhangers: „Lassen Sie sich überraschen!“
