
Es klingt selbstverständlich, was der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) anlässlich des Richtfestes der Schule im Schönhofviertel zum Thema Neubaugebiete sagte: Wenn die Infrastruktur wie Schulen, Kitas und Verkehrsanbindung gleichzeitig mit den Wohnungen fertig wird, erhöht das die Akzeptanz der Quartiere.
In Frankfurt ist das aber keineswegs selbstverständlich. So wurde im Europaviertel zum Beispiel die Grundschule erst fertig, als die ersten der in den benachbarten Wohnungen geborenen Kinder längst auf weiterführende Schulen gewechselt waren. Der große Park im Zentrum ist unbrauchbar und muss für viel Geld komplett überarbeitet werden. Und über den Skandal, dass die U-Bahn in das Neubaugebiet auch 25 Jahre nach dem Grundsatzbeschluss immer noch nicht fährt, regt sich schon niemand mehr groß auf. Ist halt das Frankfurt-Tempo.
Im rund zwei Kilometer entfernten Schönhofviertel sollte alles besser werden. Die ursprünglich vergessene Grundschule wird dort zwar nicht gleichzeitig mit den Wohnungen fertig, aber immerhin mit nicht zu großer Verzögerung. Der Park scheint ordentlich geplant und angelegt worden zu sein, er wird demnächst nutzbar sein. Aber bei der Verkehrsanbindung wurde nicht besser geplant als im Europaviertel. Mit der im Bebauungsplan vorgesehenen Unterführung in Richtung City-West und Straßenbahn wurde noch nicht einmal begonnen.
Anbindung an den Bahnhof vergessen
Noch weniger verständlich ist, dass offenbar niemand daran gedacht hat, das neue Stadtviertel mit 2000 Bewohnern an den Westbahnhof anzubinden, der sich in Sichtweite befindet und der ohnehin umgebaut werden soll. Alles, was jetzt noch diskutiert wird, sind Notlösungen. Das erinnert an die Schildbürger, die der Legende nach beim Bau ihres Rathauses die Fenster vergaßen und dann versuchten, Licht mit Säcken ins Innere zu bringen.
Zum Lachen sind die Frankfurter Planungsfehler aber auch deshalb nicht, weil sie System haben. Zu viele Beteiligte planen unkoordiniert nebeneinander her. Die Deutsche Bahn interessiert sich traditionell kaum für das, was rund um ihre Stationen passiert. Aber auch innerhalb der Stadtverwaltung ist die Zusammenarbeit der für Planung, Verkehr, Schulen und Grünflächen zuständigen Ämter unzureichend.
Der neue Stadtteil an der A5 bietet die Gelegenheit, es besser zu machen. Dort entsteht schon jetzt, Jahre vor dem Bau der ersten Wohnungen, mit der Regionaltangente West eine leistungsfähige Verkehrsanbindung. Das ist aber Zufall und nicht das Ergebnis gezielter Planung.
