
Im Prozess um das riesige Remscheider Waffenarsenal haben zwei der drei Angeklagten die Vorwürfe gegen sie gestanden. Nur der Hauptangeklagte schweigt weiterhin. In dem Prozess geht es um Waffenhandel und um einen der größten Kriegswaffenfunde seit 1945 in Deutschland.
Munition im Hohlraum eines Türrahmens
Der Betreiber einer Autowerkstatt soll in Remscheid ein enormes Arsenal von Pistolen, Gewehren und Munition gehortet und damit gehandelt haben. Der Fund des geheimen Waffenarsenals hinter einer Art privatem Waffenmuseum hatte im Oktober vergangenen Jahres bundesweit für Furore gesorgt. Es gab in dem Gebäude Geheimtüren, hinter Zwischenwänden versteckte Räume, verborgene Schließmechanismen und sogar Munition im Hohlraum eines Türrahmens.
Tagelang stießen 200 Einsatzkräfte in dem Gebäudekomplex in der Remscheider Innenstadt auf immer neue Überraschungen. Laut Staatsanwaltschaft handelte es sich um einen der größten Kriegswaffenfunde der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland.
Die Staatsanwaltschaft klagte danach zwei Männer im Alter von 35 und 38 Jahren und den 60 Jahre alten Betreiber der Autowerkstatt wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz an.
Der 60-Jährige schweigt vor Gericht weiterhin, während der 35-Jährige und der 38-Jährige nun auf das Angebot des Wuppertaler Landgerichts eingingen, das ihnen bei umfassenden Geständnissen Strafen zwischen zwei und vier Jahren in Aussicht gestellt hatte.
Die beiden Männer räumten ein, sie hätten bei dem 60-Jährigen Maschinenpistolen für rund 2000 Euro pro Stück sowie Munition gekauft. Die Übergabe habe an der Werkstatt des 60-Jährigen stattgefunden, also dort, wo die Polizei im vergangenen Herbst die vier versteckten Waffenkammern ausheben konnte.
Zeuge bringt Hauptangeklagten zusätzlich in Erklärungsnot
Die Staatsanwaltschaft hatte bereits zum Prozessbeginn die Aussage eines Zeugen in Polen präsentiert, die den Hauptangeklagten zusätzlich belastete: Er hatte den Ermittlern berichtet, an den Mann gut 100 Skorpion-Maschinenpistolen mehr verkauft zu haben, als von der Polizei gefunden wurden.
Die Verteidigerin des Hauptangeklagten sagte dazu: „Was da in Polen ausgesagt wurde, bestreitet mein Mandant vehement. Außerdem liegen die Vorstellungen zur Strafhöhe zu weit auseinander.“ Das Gericht hatte dem 60-jährigen Automechaniker für ein vollständiges Geständnis eine Haftstrafe von sieben bis acht Jahren in Aussicht gestellt.
Rund 300 scharfe Schusswaffen sichergestellt
Bei den Durchsuchungen in Remscheid hatten die Polizisten am Ende rund 300 scharfe Schusswaffen sichergestellt. Als Käufer vermuten die Ermittler Kunden aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität.
Der Hauptangeklagte hatte gegenüber den Ermittlern behauptet, ein Großteil der Waffen sei Teil seiner Privatsammlung, die er nicht verkaufen wolle. Er habe lediglich einzelne Exemplare weiterverkauft.
