An Luxus fehlt es auf Santa Cristina nicht. Auf der Insel im Norden der venezianischen Lagune steht ein renoviertes Herrenhaus aus dem 19. Jahrhundert, die Gäste können sich über vier Etagen verteilen. Ein Kamin sorgt auf der großen Terrasse für Wärme, sollte trotz des mediterranen Klimas ein kaltes Lüftchen aufziehen. Und kommt der Drang auf, statt auf der ruhigen Insel zu entspannen, lieber durch die Gassen Venedigs zu schlendern, steht für den Ausflug das Boot im eigenen Bootshaus bereit.
Es ist ein eindrucksvoller Einblick in die Welt des Reichtums, den eine Anzeige von Venice Sotheby’s International Realty bietet. Der Luxusimmobilienmakler ist dafür zuständig, die Privatinsel des bereits verstorbenen Gernot Langes-Swarovski zu verkaufen.
Auf dem Preisschild stehen 24 Millionen Euro. Auftraggeber ist die Privatstiftung Segnal, die Langes-Swarovski vor seinem Tod 2021 gegründet hat, um das familiäre Vermögen zu verwalten.
29 Hektar als Rückzugsort
Er war der Urenkel Daniel Swarovskis, Gründer des gleichnamigen Kristallimperiums aus Tirol. Langes-Swarovski war selbst mehrere Jahrzehnte lang in der Geschäftsführung und trug wesentlich dazu bei, Swarovski zu einem der weltweit erfolgreichsten Schmuckkonzerne zu formen. Zwei Milliarden Euro Umsatz machte Swarovski im vergangenen Jahr, die Läden sind in den Einkaufsstraßen von Tokio bis London vertreten. Das Unternehmen ist weiterhin im Familienbesitz.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Der Österreicher erwarb die Insel Santa Cristina im Jahr 1986. Die Insel erstreckt sich über eine Fläche von insgesamt 29 Hektar. Doch von Luxus war die Insel damals weit entfernt, wenn man den Erzählungen glaubt. Sie soll heruntergekommen und die Teiche verschlammt gewesen sein. Zudem war die Insel vom Hochwasser bedroht. Der neue Eigentümer aber ließ sie aufschütten und neu bepflanzen. Anfangs diente die Insel der Familie als privates Feriendomizil und als Rückzugsort vom stressigen Alltag. Von den Bergen Tirols aus ist es immerhin nicht allzu weit bis ans Meer nach Venedig.
Im Laufe der Jahre aber begann sich Langes-Swarovskis Stiefsohn René Deutsch um die Insel zu kümmern. Der Geschäftsmann öffnete die Insel für zahlungskräftige Urlauber. Wer wollte, konnte mehrtägige Yoga-Aufenthalte buchen oder die Insel für Hochzeiten mieten. Auf der Plattform Instagram finden sich Bilder von romantischen Trauungen und Gästen in Feierstimmung. René Deutsch gab mehreren Medien Interviews und schilderte sein großes Glück auf der Insel.
Auf der Insel wird Weinbau betrieben
Neben dem Haupthaus und dem Bootshaus befinden sich auf Santa Cristina noch ein Bauernhaus und eine Kapelle. Zwar ist die Insel naturgemäß von Wasser umgeben, zum Schwimmen aber eignet sich trotzdem der eigene Pool besser. Von der Villa aus führt schnurstracks ein Weg aus roten Pflastersteinen ins kühle Nass.
Hinzu kommen Obstgärten, Olivenbäume, ein Gemüsegarten und Bienenvölker. Auch Fischzucht wird auf der Insel betrieben. Langes-Swarovski wird eine Leidenschaft für Landwirtschaft und naturbelassene Produkte nachgesagt. Auch eigenen Weinbau gibt es auf der Insel.
Über die genauen Gründe für den Verkauf ist nichts bekannt. Auch auf Anfrage der F.A.S. möchte Christoph Völk von der Privatstiftung Segnal sich nicht zu den Gründen äußern. Vom künftigen Besitzer hat man allerdings sehr klare Vorstellungen: Gesucht werde jemand, der mit seiner Leidenschaft für Ökologie und für die Lagune das Werk von Langes-Swarovski fortsetze.
Daran, dass hier einst die Swarovskis ihr Familienglück fanden, erinnert mittlerweile wenig auf der Insel. Nur ein Gegenstand hält das Erbe weiterhin hoch: Im Herrenhaus hängt ein Kronleuchter aus Swarovski-Kristall. Damit wird sich der neue Eigentümer wohl abfinden müssen.
