
Seit Jahren schon ist der oppositionelle Sender Iran International TV (IITV) dem Regime in Teheran ein Dorn im Auge. Die Islamische Republik bezeichnete den in London sitzenden persischsprachigen Sender als „terroristische Organisation“, nachdem dieser intensiv über regierungskritische Proteste berichtet hatte. Mehrere Mitarbeiter von Iran International gerieten ins Fadenkreuz des Mullahregimes. In Teheran hingen an öffentlichen Plätzen Plakate mit dem Bild von Pouria Zeraati, einem IITV-Journalisten, und der Aufschrift „Gesucht: Tot oder lebendig“. Im März 2024 wurde Zeraati auf offener Straße in London von mehreren Männern mit einem Messer attackiert. Mit drei Stichwunden am Bein musste er ins Krankenhaus.
Seit dieser Woche läuft nun vor einem Londoner Strafgericht ein Prozess wegen der Messerangriffs. Angeklagt sind zwei Rumänen, die offenbar von iranischen Agenten angeworben waren; ein dritter, der den iranischen Journalisten bei dem Angriff festgehalten haben soll, ist noch in Rumänien. Die Angeklagten bestreiten die Tat. Staatsanwalt Duncan Atkinson sagte, es habe sich nicht um eine zufällige Attacke oder einen Raubüberfall gehandelt, sondern um einen gezielten Anschlag auf den Journalisten. Nach Erkenntnissen der Polizei waren die Rumänen mehrfach nach London geflogen und hatten Lebensumstände und Wohnverhältnisse des Journalisten ausgekundschaftet. Auf dem Onlinekonto der Schwester eines der Angeklagten gingen 80.000 Pfund ein, die von einer Baufirma stammten. Hinter der Überweisung soll ein iranisch-britischer Unternehmer stecken. Laut Staatsanwalt Atkinson benutzt Iran „zunehmend kriminelle Gangs, um Gewalt auszuüben“. So seien in Großbritannien immer wieder Bürger Opfer von Einschüchterung und Terror geworden.
Der Nachrichtensender Iran International, gegründet 2017 und finanziert weitgehend mit saudischem Geld, hat Büros in London und Washington. Die Muttergesellschaft Volant Media Ltd. beschäftigt rund 700 Mitarbeiter. Aufgrund von Drohungen und auf Rat der Polizei mussten sie den Londoner Standort 2023 zeitweilig schließen. Inzwischen hat der Sender speziell gesicherte und geschützte Studios im Norden der britischen Hauptstadt eingerichtet. Wie Vertreter des Senders im vorigen Jahr in einer Parlamentsanhörung schilderten, haben sich die Bedrohungen seit Jahren gesteigert. Schon 2022 warnte der damalige Oberkommandierende der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC): „Passt auf, wir kommen euch holen.“ Zwei führende Mitarbeiter mussten sich auf Rat der britischen Polizei verstecken, da unmittelbare Lebensgefahr bestand. 2025 startete eine mit dem iranischen Geheimdienst verbundene Hackergruppe einen Cyberangriff auf die IT-Systeme von Iran International. Ein Sprecher des Senders sagte anlässlich immer neuer Drohungen aus Teheran, man lasse sich nicht einschüchtern.
In den vergangenen Monaten gab es in London mehrere Angriffe auf jüdische Einrichtungen. Gegen eine Synagoge wurde ein Brandanschlag verübt, zuvor gingen mehrere Krankenwagen einer jüdischen Hilfsorganisation komplett in Flammen auf. Ermittler der britischen Polizei untersuchen, ob dahinter eine mit Iran verbundene Gruppe namens HAYI steht, die sich im Internet zu diesen Taten und Anschlägen in ganz Europa bekannt hat.
