
Der hessische Verkehrsminister Kaweh Mansoori (SPD) konnte gar nicht mehr damit rechnen, dass sein im März versandeter Vorstoß für Zugangskontrollen an Bahnhöfen noch einmal aufgegriffen würde. Aber nun hat ihm der neue Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) den Gefallen getan. Das ließ sich Mansoori nicht zweimal sagen – nun hat er den Frankfurter Hauptbahnhof als Modellstation vorgeschlagen.
Beide Minister waren klug genug, sich nicht detaillierter zu äußern. Geht es um Kontrollen zu den Gebäuden als solchen, womöglich auch zu den Verteilerebenen, oder nur zu den Bahnsteigen? Denkt auch Mansoori nur an den Fernverkehr, also lediglich an die Zugänge zu den Bahnsteigen in der Halle, oder auch an die unterirdischen Bahnsteige der S-Bahn? Soll es für alle Bahnsteige eine vorgelagerte, gemeinsame Kontrolle geben oder für jeden Bahnsteig eine eigene?
Viele Fragen unbeantwortet
Mit der gleichen Selbstverständlichkeit, mit der Zugangsbeschränkungen in anderen Ländern sowohl in großen Bahnhöfen wie auch bei jedem U-Bahn-Halt etabliert sind (regelhaft nur zu den Bahnsteigen, nicht zu den Stationen als solchen), ist diese Tradition in Deutschland vor Jahrzehnten ausgelaufen. Eine Nachrüstung auch nur aller größeren Bahnhöfe würde Milliarden kosten. Der Masterplan für die Modernisierung des Frankfurter Hauptbahnhofs, ein Projekt für mehr als ein Jahrzehnt, wäre perdu. Jede Antwort führt zu weiteren Fragen: Wenn nur die Fernbahnsteige abgeriegelt werden, das wäre das kleinste der denkbaren Modelle, wartet der ICE dann, wenn sich noch eine Menschentraube durch die Kontrollen zwängen muss? Wie geht man mit Umsteigern um? Will man ernsthaft den überforderten Deutsche-Bahn-Konzern mit der Einführung eines solchen Systems betrauen?
Die Argumente für Zugangssperren lauten, dass sie zwar Verbrechen nicht verhindern, aber erschweren können; anders geht man ja auch nicht bei der Abriegelung von Weihnachtsmärkten vor. Eine schwierige Klientel, die große Bahnhöfe wie den in Frankfurt bevölkert, würde ferngehalten. Das sind gewichtige Überlegungen; die bisherigen Versuche, Bahnhöfe zu sicheren und sauberen Orten zu machen, haben nur begrenzt gefruchtet. Mehr Kontrollen sind in einer unsicheren und vor allem als unsicher empfundenen Epoche überdies ein Zug der Zeit. Insofern kann man die Schaffung solcher Sperren prüfen, durchrechnen, testen. Man muss sich aber klar sein, dass sie das Eisenbahnfahren und den Weg dorthin grundlegend verändern würden.
