Eltern behaupten stets, alle ihre Kinder gleich liebzuhaben. Aber sie werden nie allen auf die gleiche Weise gerecht. Ist das ein
Problem? Und wie reagiert man, wenn einem ein Kind später vorwirft, die
Geschwister bevorzugt zu haben? In unserer Serie »Familienrat« wirbt der
Therapeut und Analytiker Wolfgang Schmidbauer für Kooperation statt
Perfektion.
DIE ZEIT: Ist es okay, wenn Eltern ein Lieblingskind
haben?
Wolfgang Schmidbauer: Ich finde es stark vereinfachend, von
einem Lieblingskind zu sprechen. Eigentlich steckt dahinter ein infantiles
Modell: Die Liebe steckt sozusagen in
einer Flasche, und jeder bekommt etwas davon. Die Lieblingskinder bekommen dann
eben mehr als die anderen – mehr Aufmerksamkeit, mehr Zuwendung.
