Der Deutsche Städte- und Gemeindebund spricht sich dafür aus, das Wohnen im ländlichen Raum attraktiver zu machen – und so gegen die Wohnungsnot vorzugehen. Bund und Länder dürften »nicht nur durch Mietpreisbremsen oder Wohnungsbauoffensiven an den Symptomen in den Ballungsräumen herumdoktern«, sondern müssten noch in diesem Jahr ein umfassendes Gesamtkonzept auf den Weg bringen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, André Berghegger, dem Kölner Stadt-Anzeiger.
Deutschland müsse das Thema Wohnen »neu denken« und nachhaltiger angehen, wobei der Fokus auf die Regionen abseits der Ballungsräume gerichtet werden müsse, sagte Berghegger. In den ländlichen Regionen stünden 1,9 Millionen Wohnungen leer, mehr als 700.000 Wohnungen wären innerhalb der nächsten drei Monate bezugsfertig.
»Es muss gelingen, die ländlichen Räume durch neue Verkehrswege wie etwa neue oder reaktivierte Bahntrassen besser an die Ballungsräume anzubinden und als Wohn- und Lebensräume insgesamt attraktiver zu machen«, sagte Berghegger. Gute Gesundheitsversorgung, ein besseres Kultur- und Freizeitangebot sowie der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs könnten dazu beitragen, strukturschwache Regionen aufzuwerten.
Ein solches Gesamtkonzept wäre ein »echter Beitrag zu gleichwertigen Lebensverhältnissen in ganz Deutschland«, sagte Berghegger. Für einen nachhaltigen Umbau des Landes müssten auch Mittel aus dem Sondervermögen für Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden.
Mieten sind in 15 Jahren um rund 65 Prozent gestiegen
Nach Angaben des Städte- und Gemeindebundes sind die Mieten in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren um rund 65 Prozent gestiegen, in den Ballungsräumen sogar um über 70 Prozent. Gleichzeitig fehlten in Deutschland mehr als 800.000 Wohnungen. »Alle Bemühungen der vergangenen Jahre, für ein besseres Angebot an Wohnraum zu sorgen, sind offenkundig gescheitert«, sagte Berghegger.
