Ältere Menschen sind nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) zunehmend auf Unterstützung in Wohnungsnotfällen angewiesen. »Gleichzeitig bleiben sie häufiger über lange Zeit wohnungslos und sind stärker von gesundheitlichen Belastungen sowie sozialer Isolation betroffen«, schreibt die BAG W zu ihrem aktuellen Bericht. Dieser legt erstmals den Schwerpunkt auf ältere Wohnungslose.
Dem Bericht zum Jahr 2024 zufolge stieg der Anteil der über 50-Jährigen unter den Menschen mit Wohnungsnot in den zurückliegenden 20 Jahren
kontinuierlich an und erhöhte sich von 21 Prozent im Jahr 2004 auf 27
Prozent im Jahr 2024. In der Wohnungsnotfallhilfe gelten Menschen bereits ab 50
Jahren als ältere Klientinnen und Klienten, da sie wegen ihrer schwierigen Lebensumstände vorzeitig altern und ihre Lebenserwartung sinkt.
Schulden und Gesundheitsprobleme als Auslöser
Zudem finden ältere Menschen, die bereits wohnungslos sind, demnach deutlich seltener aus der Wohnungslosigkeit heraus. So seien 38 Prozent der über 50-jährigen Betroffenen bereits seit mehr als einem Jahr wohnungslos. Miet- und Energieschulden zählten bei älteren Menschen in Wohnungsnot zu
den häufigsten Auslösern eines Wohnungsverlustes. Die Hälfte davon
gelte zudem als überschuldet.
»Wohnungslose
ältere Menschen stehen vor systematischen Hürden auf dem Weg zurück in
die eigene Wohnung«, sagte Sarah Lotties, Fachreferentin der BAG W dazu. »Arbeitslosigkeit oder eine kleine Rente,
gesundheitliche Einschränkungen, Schulden, aber auch fehlende digitale
Teilhabe sind einige Beispiele.« Wer im Alter die Wohnung verliere, habe
so schlechtere Chancen, wieder dauerhaft Wohnraum zu finden.
Regierung könnte Problem verschärften
Eine Verbesserung der Situation ist nach Angaben der BAG W nicht in Sicht, im Gegenteil. »Die geplante Wohngeldreform wird ältere Menschen besonders hart
treffen«, sagte Sabine Bösing, Geschäftsführerin der BAG W. Bereits jetzt sei jede zweite wohngeldbeziehende Person in Rente. Die Kürzungen würden dazu führen, dass ein Drittel aller
Wohngeld-Empfangenden die Leistungen komplett verliere. »Solche Entscheidungen
verschärfen die Wohnungsnot im Alter, statt ihr vorzubeugen«, kritisierte Bösing. Sie müssten geändert werden.
Zudem forderte die BAG W »eine bessere Verzahnung von Wohnungslosenhilfe, Pflege und Gesundheitsversorgung«. Menschen dürften nicht zwischen den verschiedenen Unterstützungssystemen untergehen, sie bräuchten zugeschnittene Angebote.
Für den Bericht für das Jahr 2024 wertete die BAG W Daten von mehr als 45.000 Klienten aus 248 Einrichtungen und Diensten der freien Träger aus.
