Anderthalb Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt schließen migrantische Gewerbetreibende am Mittwoch in Magdeburg für einen halben Tag ihre Läden. Damit wollen sie ein Zeichen gegen Rassismus, Ausgrenzung und für eine demokratische Gesellschaft setzen. Zusätzlich zur Streikaktion ist mittags eine Kundgebung vor dem Landtag geplant. Dort wollen Organisatoren und beteiligte Gewerbetreibende über ihre Erfahrungen mit Rassismus und Ausgrenzung sowie ihre Sorgen mit Blick auf die anstehende Wahl sprechen.
Anlass für den Streik sind auch die hohen Umfragewerte der AfD, die in Sachsen-Anhalt vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird. Der Streik solle ein Weckruf an die Gesellschaft sein, ein Appell, sich das Programm der AfD genau anzuschauen, sagte Saeeid Saeeid vom Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt. „Lasst euch nicht spalten in Ausländer und Deutsche, die Gesellschaft muss zusammenbleiben.“

Etwa 150 Geschäfte unter anderem rund um den Magdeburger Hasselbachplatz wollten sich an dem Streik beteiligen und von zehn bis 15 Uhr geschlossen bleiben, teilte eine Organisatorin mit. Darunter seien Gastronomie, Barbershops, Kioske und andere Läden. Einige deutsch geführte Läden hätten angekündigt, sich anzuschließen. In den Schaufenstern sollen demnach Plakate auf den „Migra-Streik“ hinweisen.
„Wir wollen aber nicht nur als Arbeitskräfte gesehen werden“
„Was wir gerade erleben, ist ein außergewöhnlicher Zusammenhalt innerhalb der migrantischen Community“, so Saeeid vom Flüchtlingsrat. „Gewerbetreibende motivieren sich gegenseitig, schließen sich zusammen und erheben friedlich ihre Stimme gegen Rassismus und Ausgrenzung.“
Man wolle darauf aufmerksam machen, was fehlte, wenn es die von Migranten geführten Geschäfte nicht gäbe, sagte die Mitorganisatorin, die als Sozialarbeiterin tätig ist. Darüber hinaus hielten Migranten auch die Pflege aufrecht, den medizinischen Bereich, sie brächten die Pakete und seien auf dem Bau und in der Industrie tätig.
„Wir wollen aber nicht nur als Arbeitskräfte gesehen werden, sondern als Menschen mit allen ihren Bedürfnissen“, so die Organisatorin weiter. Das bekräftigte auch der Flüchtlingsrat: „Uns ist wichtig: Niemand muss durch Arbeit oder wirtschaftliche Leistung beweisen, dass er oder sie zu dieser Gesellschaft gehört“, sagte Saeeid.
Am 6. September wird in Sachsen-Anhalt ein neuer Landtag gewählt. Derzeit führt die AfD in den Umfragen mit großem Abstand vor der derzeit regierenden CDU. Ihr Ziel ist es, die nächste Landesregierung zu stellen.
