
Die Umweltbilanz der Drei-Länder-XXL-WM war schon vor Beginn des Turniers im Juni schlecht ausgefallen. Nun tritt das UN-Klimasekretariat UNFCCC mit seinem britischen Chef Simon Stiell noch mal nach und spuckt dem Veranstalter FIFA noch vor dem Finale mit einer Hitzebilanz in die Suppe. Trinkpausen hin oder her, ein Viertel der ersten 94 von 104 Spielen habe der UN-Behörde zufolge unter „gefährlichen“ Bedingungen stattgefunden, sie hätten unter den geltenden Richtlinien der internationalen Spielervereinigung FIFPRO eigentlich später angepfiffen oder verschoben werden müssen.
Bei 27 Spielen lag die Kühlgrenztemperatur in den nicht überdachten Stadien über jenen 28 Grad im Schatten, die nach den FIFPRO-Richtlinien nicht planmäßig hätten angepfiffen werden dürfen. Die Kühlgrenztemperatur berücksichtigt nicht nur die Lufttemperatur, sondern auch die Luftfeuchtigkeit. Bei hoher Feuchtigkeit hat der Körper weniger Möglichkeiten, hohe Temperaturen durch Schwitzen auszugleichen und so abzukühlen. Von 35 Grad an gilt bei einer hundertprozentigen Luftfeuchtigkeit akute Lebensgefahr, weil keine Wärme mehr über die Verdunstung von Schweiß abgeführt werden kann. Längere Zeit im Freien und Anstrengungen können dann schnell zu einer gefährlichen Überhitzung führen.
Zwei historische Hitzespiele
Zwei WM-Spiele der Mannschaft aus Uruguay gehen in dieser Hinsicht nach den Ermittlungen des UN-Sekretariats in die Geschichtsbücher ein: Nur wenige WM-Spiele in der Historie hätten Bedingungen gehabt wie das Spiel gegen Kap Verde, bei dem eine Kühlgrenztemperatur von 33 Grad erreicht wurde, sowie gegen Saudi-Arabien mit einem Wert knapp darunter. Beide Spiele fanden im Fußballstadion von Miami in Florida statt.
Dass die Bedingungen in Freiluftstadien insgesamt schwieriger werden, führt das UN-Klimasekretariat auf den Klimawandel zurück: Verglichen mit den Bedingungen 1994 und 1986, als zehn Austragungsorte dieser WM ebenfalls WM-Gastgeber waren, gäbe es im Juni inzwischen dreimal so viele extreme Hitzetage wie damals. In Miami und Mexico City habe sich die Zahl der Extremhitzetage im selben Zeitraum versiebenfacht. UNFCCC zitiert den englischen Linksaußen Nico O’Reilly, der nach dem Norwegen-Spiel im Miami-Stadion die Hitze kommentierte: „Es war sehr hart. Die Hitze hat uns ausgelaugt und uns ein ganz anderes Spiel aufgezwungen, als wir eigentlich vorhatten. Wir haben uns nach den Trinkpausen gesehnt, es war einfach so heiß.“
Es gibt aber keineswegs nur Kritik von der UN-Behörde an der FIFA. Die Trinkpausen werden positiv erwähnt, und immerhin würden viele Stadien für die Großevents inzwischen überdacht und klimatisiert. „Das Spiel wird angepasst an die Entwicklung, dass die steigende Feuchtigkeit das Klima heißer macht.“
Das Finale am Sonntag zwischen Argentinien und Spanien wird in einem offenen Stadion, dem Met-Life Stadium, stattfinden, das im Turnier bereits durch extreme Spielbedingungen aufgefallen war. Wie die Temperaturen sein werden, ist noch unklar, die Ostküste hatte in den vergangenen Wochen eine extreme Hitzewelle erlebt. Der aktuelle Luftqualitätsalarm, den das UNFCCC in seiner Bilanz erwähnt, hat allerdings nur indirekt mit den hohen Temperaturen zu tun: Im Osten Kanadas und den nördlichen US-Ostküstenstaaten stehen seit Tagen Wälder in Flammen, riesige Rauchschwaden sollen sich auch noch in den kommenden Tagen über die US-Ostküsten-Metropolen ziehen.
