
Plant Donald Trump den Abriss des Kennedy Center in Washington? Das legen Aufnahmen nahe, die am späten Mittwochabend auf der Joint Base Andrews in Maryland gemacht wurden. Die durch das Fenster des gerade gelandeten Präsidentenflugzeugs Air Force One geschossenen Fotografien zeigen den amerikanischen Präsidenten, wie er eine große Schautafel betrachtet. Darauf zu sehen ist die Darstellung einer Baustelle, darüber drei Wörter: „Kennedy Center DEMOLISHED“ (Kennedy Center abgerissen). So deutlich war der Schriftzug zu erkennen und so kamerafreundlich war die Tafel plaziert, dass der Verdacht aufkommen könnte, es handele sich um Absicht.
Wie die „New York Times“ berichtet, wollte das Weiße Haus nicht Stellung zu der Frage nehmen, was es mit der Schautafel auf sich hat. Auch Roma Daravi, Sprecherin des Kennedy Center und Trump-Vertraute, habe sich nicht zu den möglichen Plänen geäußert. Bei einem zweiten Mann, der auf den Bildern im Gespräch mit Trump zu sehen ist, handelt es sich um Bill Pulte. Er gilt als loyaler Anhänger Trumps und ist Leiter der Federal Housing Finance Agency, der Aufsichtsbehörde für das Hypothekenwesen in den USA.
Donald Trump hatte zuletzt damit gedroht, die geplante Renovierung des Kennedy Center zu blockieren, wenn sein Name nicht an der Fassade angebracht werden dürfe. Nur er sei in der Lage, für die nötigen Mittel zu sorgen. Die Trump-Getreuen im Führungsgremium des Kulturzentrums warnten vor dem finanziellen Kollaps, sollte Trump seinen Willen im Streit um die Namensplakette nicht bekommen. Hinter dem Kennedy Center liegen anderthalb schwierige Jahre mit dramatisch gesunkenen Ticketverkäufen; diese Entwicklung ist auch darauf zurückzuführen, dass viele Künstler das Haus meiden. Trump dagegen argumentiert, die existentielle Krise des Hauses habe lange vor seiner Amtszeit begonnen.
Kennedy Center bleibt vorerst geschlossen
Am Dienstag hatte jedoch Bundesrichter Christopher Cooper dem Kuratorium abermals untersagt, den Namen des Präsidenten an der Fassade anzubringen oder das Gelände nach ihm zu benennen. Er entschied, dass auch die jüngsten Pläne gegen seine bereits im Mai erlassene Verfügung verstießen. Damals hatte er die Umbenennung in „Trump Kennedy Center“ gestoppt. Das Kuratorium wollte nun beschließen, am Gebäude eine Plakette mit der Aufschrift „Renoviert und restauriert von Präsident Donald J. Trump“ anzubringen und das Gelände „President Donald J. Trump Plaza“ zu nennen.
Wenige Stunden später beschloss die Leitung, das Hauptgebäude zu schließen und mit der Renovierung zu beginnen. Als Grund wurden Sicherheitsbedenken wegen herabfallenden Deckenputzes angeführt. Ein Sicherheitsmann wäre beinahe von einem Stück Putz getroffen worden, was tödlich hätten enden können. Belege für diese akute Gefährdung wurden nicht präsentiert.
Gegen die vorübergehende Schließung der Einrichtung geht die demokratische Abgeordneten Joyce Beatty aus Ohio, die schon gegen die Umbenennung geklagt hat, juristisch vor. Beatty gehört ebenfalls dem Kuratorium des Kennedy Center an. Die Fotos von der Air Base wurden ihrer Klage als Material angefügt. In ihrem aktualisierten Schriftsatz äußerten Beattys Anwälte Besorgnis über die Fotos und baten den Richter, „glasklar“ festzustellen, dass die Verantwortlichen das Center nicht einfach abreißen dürften.
Der zuständige Richter hat am Donnerstag allerdings Beattys Antrag auf eine Eilanhörung abgelehnt, so dass das Center vorerst geschlossen bleiben kann. Auf der anderen Seite erinnerte der Richter dessen Verwaltung daran, dass sie im Rahmen eines anderen Rechtsstreits um die Institution zugesagt hatte, über etwaige Abrisspläne zu informieren. Eine solche Ankündigung müsse 30 Tage im Voraus erfolgen, ordnete der Richter an.
