Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat persönlich auf die beleidigende Kritik des russischen Fernsehmoderators Wladimir Solowjow reagiert. Der kremlhörige Moderator hatte Meloni in seiner Sendung „Polnyi Kontakt“ (“Voller Kontakt“) unter anderem als „faschistische Schlampe“ beschimpft. Auf der Plattform X schrieb Meloni, ein „eifriger Propagandist des Regimes“ wie Solowjow sei von Natur aus nicht in der Lage, „etwas Kohärentes von sich zu geben“.
Sie werde sich „von Karikaturen wie diesen“ nicht von ihrem Kurs abbringen lassen und weiter die nationalen Interessen Italiens vertreten, so Meloni. Anders als Leute wie Solowjow „hängen wir an niemandes Faden und haben keine Bosse, deren Befehle wir entgegennehmen“.
Journalist wirft Meloni vor, Trump verraten zu haben
In einem kruden Gemisch aus Injurien in italienischer und russischer Sprache war Solowjow in seiner Sendung minutenlang über Meloni hergezogen. Er bezeichnete sie als „Faschistin, zertifizierte Idiotin und garstige Frau“. Meloni sei „eine Schande für die Menschheit“, so Solowjow, das Wort „Verrat“ sei ihr „zweiter Vorname“. „PuttaMeloni“ (“HureMeloni“) habe „Trump verraten, dem sie zuvor die Treue geschworen hatte“.

Der italienische Außenminister Antonio Tajani hatte nach der Tirade Solowjows den russischen Botschafter in Rom, Alexej Paramonow, ins Außenministerium einbestellt. Staatspräsident Sergio Mattarella hatte in einer Mitteilung an Meloni seine „Empörung über die vulgären Äußerungen des russischen Moderators“ zum Ausdruck gebracht.
Botschafter nennt Journalist „talentiert“ und „beliebt“
Botschafter Paramonow äußerte seinerseits in den sozialen Medien Empörung über den Umstand, dass er wegen der Angelegenheit einbestellt worden sei. Kein offizieller Vertreter Moskaus habe sich jemals mit beleidigenden Urteilen über Meloni oder das Land Italien geäußert. Persönliche Äußerungen eines Journalisten dürften nicht als offizielle Einlassungen der Vertreter eines Staates interpretiert werden.
Die Einbestellung entspreche daher nicht den diplomatischen Gepflogenheiten. Schließlich sei es in der Angelegenheit nur um die „Worte eines russischen Journalisten“ gegangen, wenngleich um die „eines sehr talentierten und beliebten“, so der Botschafter.
Auch aus Moskau kam Kritik an Roms Reaktion auf Solowjows Beschimpfungen. Dabei beriefen sich die Diplomaten ausgerechnet auf die Pressefreiheit. In der Rangliste der Organisation „Reporter ohne Grenzen“ zur Pressefreiheit ist Russland zuletzt auf Rang 171 von 180 abgesackt. Mit Oleg Roldugin von der „Nowaja Gaseta“ wurde erst jüngst ein weiterer Journalist in Untersuchungshaft gesteckt.
Die Sprecherin des russischen Außenministeriums sagte, wenn „unser Land beleidigt wird“, dann betrachte die Gegenseite dies „nicht nur als normal, sondern wir haben nicht einmal das Recht auf irgendeine Unzufriedenheit. Und wenn wir die ausdrücken, bestellen sie unseren Botschafter ein.“ Wenn aber russische „Journalisten“ ihre „Gefühle“ dazu äußerten, dass Rom „das Kiewer Regime auf jede Weise unterstützt“, dann werde der Botschafter einbestellt, so die Sprecherin. „Das ist nicht das Messen mit zweierlei Maß, sondern das Fehlen von Maß.“
Moskau hat Italiens Regierungen schon oft kritisiert
Die Mitte-rechts-Koalition Melonis hat seit ihrem Amtsantritt im Oktober 2022 die Ukraine in deren Verteidigungskrieg gegen den Angriff Moskaus unterstützt. Während der Herrschaft der panpopulistischen Koalition von Sommer 2018 bis Herbst 2019 hatte sich Rom um gute Beziehungen mit Moskau bemüht. Namentlich die rechtsnationale Partei Lega von Matteo Salvini unterhielt enge Beziehungen zur Kremlpartei Einiges Russland. Wegen der Abkehr von der russlandfreundlichen Politik Roms seit dem Ende der Koalition von Lega und der linkspopulistischen Fünf-Sterne-Bewegung im September 2019 hat Moskau die nachfolgenden Regierungen in Rom immer wieder kritisiert.
Italien hat im Einklang mit der Politik der EU seit der russischen Invasion in der Ukraine vom Februar 2022 Vermögenswerte von Russen in Milliardenhöhe eingefroren, gegen die die EU Sanktionen verhängt hatte. Zu den beschlagnahmten Werten gehören Grundstücke und Immobilien, Autos, Yachten und Jets sowie Kunstwerke und Firmenanteile. Auch Solowjows Luxusvilla am Comer See wurde beschlagnahmt und versiegelt.
Auch Melonis Beziehungen zu Präsident Donald Trump verschlechterten sich zuletzt. Meloni hatte Trump kritisiert, nachdem dieser sich abfällig über Papst Leo XIV. geäußert hatte. Trump reagierte verärgert auf Melonis Kritik und erklärte, Meloni habe sich so verändert, dass er sie nicht wiedererkenne. Meloni sagte ihrerseits, sie habe sich durch Trumps Worte „nicht beleidigt gefühlt“.
Sie fügte hinzu: „Mut bedeutet, zu sagen, was man denkt, auch wenn man nicht einverstanden ist. Freunde helfen einander – auch, und vielleicht gerade dann, wenn sie sagen, dass sie anderer Meinung sind.“ Zugleich bekräftigte Meloni die Entscheidung Italiens, sich nicht am Krieg der USA und Israels gegen Iran zu beteiligen.
