Frau Roth, Sie haben eine Studie durchgeführt, um herauszufinden, ob das gemeinsame Spielen die emotionale Bindung zwischen Hund und Herrchen stärkt. Warum ist das wissenschaftlich relevant?
Wir hatten bereits festgestellt, dass Hunde, die viel mit ihren Haltern spielen, tendenziell weniger Stress zeigen. Also wollten wir nun herausfinden, ob die Interaktion tatsächlich auch die Ursache dafür ist. Das war gar nicht so einfach. Wir haben herausgefunden, dass fünf Minuten extra Spielzeit am Tag die emotionale Bindung tatsächlich stärken.
War das nicht zu erwarten?
Es gab bereits Hinweise auf diesen Zusammenhang, aber diese Studie belegt zum ersten Mal einen deutlichen Vorher-nachher-Effekt – und das bereits nach vier Wochen.
Die 1667 Teilnehmer der Studie wurden in eine Kontroll-, eine Spiel- und eine Trainingsgruppe eingeteilt. Alle haben unterschiedliche Anweisungen erhalten. Was ist der Unterschied zwischen Spielen und Trainieren?
In der Spielgruppe sollten die Teilnehmer sich auf das Vergnügen des Hundes konzentrieren. In der Trainingsgruppe sollten die Hunde Kunststücke lernen, dabei wurden Leckerlis als Belohnung eingesetzt. Es war der Trainingsgruppe nicht erlaubt, während der Einheiten zu spielen.
Was können Hundebesitzer aus der Studie lernen?
Ja, dass fünf Minuten mehr Spielzeit am Tag wirklich etwas ausmachen. Dabei sollte man sich voll und ganz auf den Hund konzentrieren und nicht beispielsweise aufs Handy gucken. Dann wird man auch aufmerksamer und sensibler für den Hund – und das stärkt die Bindung.
Wie sieht ein gutes Spielen aus?
Man sollte versuchen, mit dem Hund in Kontakt zu treten, und dabei auf seine Reaktion achten. Wenn man merkt, dass der Hund etwas nicht mag, sollte man etwas anderes probieren. Das ist genau wie in einer Beziehung. Es geht nicht darum, einfach einen Ball zu werfen. Man sollte wirklich spielen mit dem Hund, mit ihm rangeln, sich ganz auf ihn einlassen. Man muss gucken, was dem Hund Spaß macht, und mit ihm interagieren.
In der Studie haben die Teilnehmer Fragebögen ausgefüllt – aber kann man daraus auch etwas über die Emotionen des Hundes lernen?
Die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, mit ihren eigenen Worten von ihrer Erfahrung zu berichten. In der Spielgruppe berichteten die Besitzer oft von der positiven Stimmung bei den Hunden und davon, dass die Initiative zum Spielen von den Tieren ausging. Es liegt nahe, dass die Tiere also Gefallen am Spiel fanden. Aber natürlich wäre es interessant, die Studie mit Videos und physiologischen Parametern wie Cortisol in den Haaren zu ergänzen. Das wäre eine wissenschaftliche Herangehensweise.
Gibt es eine Szene, die Ihnen im Kopf geblieben ist?
Nicht mit den Hunden, aber als ich in den Daten plötzlich ein Muster erkannt habe. Das ist wie Weihnachten, wenn man herausfindet, dass nur ein paar Minuten am Tag tatsächlich diesen Effekt auf die Beziehung haben könnten.
Hat die Studie Schwächen?
In der Regel nehmen nur die enthusiastischsten Hundebesitzer an solchen Studien teil, die bereits eine starke Bindung haben. Daher sollte man mit Verallgemeinerungen vorsichtig sein. Es könnte aber auch sein, dass der Effekt bei Hundehaltern, die keine so enge Bindung haben, noch stärker ist.

Gibt es einen Unterschied zwischen den Hunderassen?
Teilnehmer mit Hirtenhunden – wie Border Collies und Shelties – spielen und trainieren signifikant mehr. Diese Hunde arbeiten eng mit den Menschen zusammen, was vielleicht eine Erklärung dafür sein kann. In einer anderen Studie haben wir außerdem herausgefunden, dass diese Hunde sogar den Stresslevel ihrer Herrchen spiegeln. Das konnten wir anhand von Cortisolwerten in den Haaren belegen. Das ist in anderen Gruppen nicht der Fall.
Davon abgesehen, dass es schön ist, wenn man eine enge emotionale Bindung zu seinem Hund hat – gibt es weitere Vorteile?
Eine solche Bindung fördert offenbar das Gedächtnis und den Gehorsam der Tiere, was wiederum hilfreich für das Training ist. Wenn man mit Hunden spielt, werden sie aufmerksamer. Aber natürlich ist jeder Hund anders. Man muss also herausfinden, was ihm am besten gefällt.
Das heißt, Spielen ist auch wichtig, wenn ich einem Hund etwas beibringen möchte?
Ja, ich finde es keine schlechte Idee, Spielen in das Training einzubauen – das ist auch eine nette Abwechslung.
Ja, ich habe einen Hund, einen Welsh Corgi Cardigan.
