Für den Wohnungsbau liegt die Vorproduktion in der Fabrik schon länger im Trend. Die Bundesregierung will künftig das serielle und modulare Bauen stärker fördern, wodurch Gebäudeteile vorgefertigt werden, um Zeit und Kosten auf der Baustelle zu sparen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) sprach davon, dass mehr als jede zehnte neue Wohnung in den vergangenen Jahren mit Fertigbauteilen errichtet worden ist. „Wir sind noch relativ am Anfang, aber das Potential ist riesig“, sagte er auf einer Investorenkonferenz des Bundesbauministeriums am Freitag in Frankfurt. Die Qualität vorgefertigter Teile sei höher, es gehe schneller und koste weniger.
Mit der Veranstaltung will Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) den Dialog mit Vertretern der Immobilienwirtschaft, von Banken und Investoren voranbringen. „Seit Jahren hinken wir dem Bedarf an bezahlbarem Wohnraum hinterher“, sagte sie zu Beginn. Die Finanzierungskosten seien hoch und die Baukosten auf ein „unsägliches Niveau“ gestiegen. „Ich kann nicht in Berlin einen Kopf drücken und zack, ist alles geklärt.“ Es brauche die Bundesregierung, die Bundesländer, die Kommunen, aber auch die Unternehmen.
Neustart für die Neubau-Förderung
Dazu bereitet Hubertz einen Neustart der zahlreichen Fördermittel vor: Im kommenden Jahr soll ein neues Förderprogramm zentral für den Neubau beginnen, das die bisherigen Hilfen der Bundesregierung bündelt und modular aufgebaut ist. Dabei soll ein Bonussystem für serielles und modulares Bauen entstehen, das verkürzte Bauzeiten und reduzierte Baukosten belohnen soll. Einer Förderung nur für serielle Modulbauweise stehen dem Vernehmen nach europarechtliche Förderbestimmungen im Weg.
Die Zahl der neuen Wohnungen ist in Deutschland im vergangenen Jahr um 18 Prozent auf 206.600 Wohnungen gesunken. Fachleute sehen einen höheren Bedarf vor allem im städtischen Raum. Die frühere Ampelregierung hatte sich das Ziel von 400.000 neuen Wohnungen im Jahr gesetzt, aber dies verfehlt. Hubertz nennt selbst keine genaue Zielgröße.
Die Ministerin sprach am Freitag davon, dass der Wohnungsbauturbo zündet und die Regierung Rekordmittel für die Förderprogramme auf den Weg gebracht habe. Gleichzeitig will sie weiter die Baukosten senken. „Wenn wir wieder ein Stück durchstarten wollen, müssen wir Ballast abwerfen“, sagte sie und legte dazu einen Aktionsplan vor. Der digitale Bauantrag soll 2028 Pflicht werden, digitale Bauplanung soll Kosten sparen und eine Plattform „Kostenreduziertes Bauen“ soll gute Beispiele sammeln. Zu den weiteren Punkten gehören die Zusammenführung der Neubau-Förderung sowie schon angekündigte Gesetzesvorhaben wie ein Gebäudetyp E und eine Entschlackung des Baugesetzbuches. Steuerabschreibungen, die bisher bis September 2029 begrenzt sind, will Hubertz verlängern.

Das Bauministerium teilte zudem mit, dass das Programm zur Förderung besonders klimafreundlicher Neubauten (EH 55 Plus) verlängert wird. Bis zum 15. Juni konnten laut Ministerium 33.700 Wohneinheiten mit einem Kredit- und Zuschussvolumen von 3,2 Milliarden Euro gefördert werden. 343 Millionen Euro stünden noch zur Verfügung. Förderfähige Gebäude müssen mit einer Wärmeerzeugung von 100 Prozent aus erneuerbaren Energien geplant sein. Das Bauministerium soll allerdings auch sparen und bereitet derzeit Kürzungen beim Wohngeld vor, wodurch die Ausgaben um rund eine Milliarde Euro im Haushalt sinken sollen.
Klingbeil verwies zudem auf den 500 Milliarden Euro schweren Sondertopf zur Modernisierung der Infrastruktur, der auch Mittel für den Wohnungsbau enthalte. Er sprach am Anfang auch an, dass Gegner des modularen, seriellen Bauens Horrorszenarien beschreiben und vor Plattenbausiedlungen und sozialen Brennpunkten warnen. „Aber wir wissen, dass das nicht so ist und sein muss.“ Klingbeil sieht genügend positive Beispiele für die Modulbauweise.
