
Die Personalie selbst war am Markt so erwartet worden, der Zeitpunkt überrascht nun doch ein wenig. Die Rede ist von der nun feststehenden Nachfolgeregelung an der Apple-Spitze. Mit dem bisherigen Hardware-Verantwortlichen John Ternus setzt der iPhone-Konzern auf Kontinuität und eine „Inhouse“-Regelung.
Ternus wird seinen CEO-Posten zum 1. September 2026 antreten. Dabei tritt er in große Fußstapfen, nachdem Cook Apple seit seinem Amtsantritt im August 2011 von einem 350-Milliarden-Dollar-Unternehmen zu einem Vier-Billionen-Dollar-Konzern gemacht hatte. Tim Cook wird nach seinem Rücktritt als CEO den Posten des Executive Chairman übernehmen.
Hardware statt Software – aber Apple bleibt Apple
Kontinuität herrscht mit Ternus’ Wahl auch in der Hinsicht, dass Apple eher ein Hardware-Unternehmen bleibt; andernfalls hätte man jemanden mit einem stärkeren Software-Hintergrund wählen können. Cooks Amtszeit als CEO war wiederum von bemerkenswertem finanziellem Erfolg geprägt.
Zuletzt wurde er jedoch angesichts der mangelnden KI-Strategie des Konzerns mit dem Apfel im Logo kritisiert; dafür kann er aber auch auf Hardware-Innovationen wie die Apple Watch verweisen. Immerhin wurde auf diese Weise eine neue Produktkategorie eingeführt. Wichtiger dürfte jedoch Apples aggressive Neuausrichtung auf Dienstleistungen sein, die bei den Margen und beim Thema Wachstum für einen weiteren Schub gesorgt hat.
Der Chip-Architekt rückt auf
Interessant ist aber auch, wer nun Nachfolger von John Ternus als Hardware-Chef wird. Neuer Chief Hardware Officer wird Johny Srouji. Er leitete bisher das Team, das Apples hauseigene Chips entwickelt. Damit steuert Apple nun noch stärker auf die hauseigene Entwicklung aller Chips für iPhones, Macs, AirPods und andere Geräte zu.
Auf diese Weise lassen sich Hardware und Software noch besser integrieren, während Funktionen noch spezifischer auf die Nutzer von Apple-Geräten abgestimmt werden können. Bereits 2023 sagte Srouji gegenüber CNBC zu diesem Thema: „Da wir unsere Chips nicht wirklich extern verkaufen, konzentrieren wir uns auf das Produkt, und das gibt uns die Freiheit zur Optimierung.“ Unter seiner Führung begann Apple, eine größere Vielfalt an Chips herzustellen, wodurch die Abhängigkeit von Drittanbietern wie Intel, Qualcomm oder Broadcom verringert wurde.
Analysten begrüßen die Doppelspitze
Im Hinblick auf die Personalrochade an der Apple-Spitze sagte Oppenheimer-Analyst Martin Yang: „Wir glauben, dass die Ernennung von Srouji zum neu geschaffenen Chief Hardware Officer die positivste Ankündigung von Apple ist. Apple behält damit nicht nur einen der weltweit besten Chip-Designer, sondern stellt auch sicher, dass sein integriertes Silizium-/Hardware-/Software-Konzept beibehalten und weiterentwickelt wird.“ Auch wenn es um den neuen CEO geht, scheinen Marktexperten die Wahl von Ternus zu begrüßen. Samik Chatterjee, Analyst bei J. P. Morgan, hat die Einstufung für Apple daher mit einem Kursziel von 325 Dollar auf „Overweight“ belassen. Die Nachfolgelösung für den Visionär Tim Cook sei positiv, schrieb der Experte in einem Kommentar. Denn mit John Ternus übernehme ein auf Produkte und Hardware fokussierter Manager den Staffelstab.
Citigroup-Analyst Atif Malik behält seinerseits die „Buy“-Einschätzung für Apple mit einem Kursziel von 315 Dollar bei, nachdem das iPhone-Unternehmen einen Wechsel an der Unternehmensspitze angekündigt hat. Der designierte CEO John Ternus sei seit mehr als 25 Jahren bei Apple tätig. Der Experte merkt an, dass der Zeitpunkt zwar etwas früher als von vielen erwartet erscheine, Ternus jedoch der Favorit für diese Position gewesen sei. Malik sieht Apple weiterhin als attraktive, defensive Aktie im Hinblick auf die Gewinnentwicklung.
Erik Woodring, Analyst bei Morgan Stanley, bestätigt wiederum im Fall von Apple die „Overweight“-Empfehlung und das Kursziel von 315 Dollar. Die Fundamentaldaten von Apple sind aus Analystensicht kurzfristig weiterhin stark, sodass keine größeren Veränderungen unmittelbar erforderlich seien. Den Wechsel des CEO von Tim Cook zu John Ternus sieht der Experte als „einen echten Übergang, keine grundlegende Veränderung“. Allerdings ist er auch der Ansicht, dass ein CEO-Wechsel „neuen Optimismus in die Apple-Geschichte bringen und eine potentielle Veränderung der übergreifenden Apple-Erzählung bewirken kann“, da das Potential für langfristige Veränderungen zunimmt.
Aktionäre dürfen weiter entspannt sein
Langfristig ist Apple an der Börse ein Gewinner. In den vergangenen zehn Jahren legten die Aktien per saldo um mehr als 770 Prozent zu, was einer durchschnittlichen jährlichen Kursentwicklung von mehr als 24 Prozent entspricht. Aus einer Einmalgeldanlage von 10.000 Euro wären bis heute fast 88.000 Euro geworden.
Der nun angekündigte Führungswechsel kommt zu einem interessanten Zeitpunkt. Apple steht vor der Herausforderung, seine KI-Strategie zu schärfen und gleichzeitig die Hardware-Dominanz zu verteidigen. Für Anleger ändert sich fundamental wenig. Apple bleibt ein defensiver Techwert mit starkem Cashflow, hohen Margen und einem intakten Ökosystem. Zwar lässt sich eine zukünftige Kursstärke nie mit Gewissheit vorhersagen, aber Apple scheint aus Sicht vieler Beobachter alles richtigzumachen. So gesehen dürfen auch Apple-Nutzer gespannt sein, was Ternus in den kommenden Jahren auf den Markt bringen wird.
