Es war schon ein Tag zum Vergessen für Erik Kosegarten-Heil und das deutsche SailGP-Team. Doch als die Wolken über dem Hafen von Sassnitz immer dunkler wurden, segelte die deutsche Crew in ihrem dritten Rennen des Tages als erste über die virtuelle Ziellinie – und sicherte sich nach einem letzten sowie einem fünften Platz bei den ersten beiden Starts zumindest eine kleine verbliebene Chance auf den Einzug ins große Finale am Sonntagnachmittag.
Zum zweiten Mal ist an diesem Wochenende mit der SailGP-Rennserie eines der schnellsten und spektakulärsten Segel-Events der Welt in dem kleinen Küstenstädtchen auf der Insel Rügen zu Gast. Dreizehn Teams treten – aufgeteilt in zwei Gruppen und in mehreren kurzen Rennen – mit ihren pfeilschnellen F50-Katamaranen auf einem engen Kurs gegeneinander an und jagen dabei teilweise mit deutlich mehr als 50 Knoten (etwa 100 Kilometer pro Stunde) über die Ostsee.
„Sieht aus, als könnte es noch etwas schneller werden“
Am ersten von zwei Renntagen bekamen die knapp 13.000 Zuschauer auf den am Rande des Hafens von Sassnitz aufgebauten Tribünen am Samstag – neben dem späten deutschen Erfolg – gleich mehrere spektakuläre Geschwindigkeitsrekorde geboten. Böiger Wind und ein dennoch nicht zu aufgewühltes Meer machten es möglich, dass die Katamarane mit ihren mehr als zwanzig Meter hohen Segeln aus starrem Karbon und den tragflächenähnlichen Foils unter den Rümpfen fast im Minutentakt neuen Top-Speed erreichten.
So erreichte die deutsche Crew um Skipper Kosegarten-Heil und Strategin Anna Barth eine Spitzengeschwindigkeit von mehr als 104 Kilometern in der Stunde – was allerdings vom Team aus Frankreich noch deutlich getoppt wurde. Die Crew um Steuermann Quentin Delapierre flog mit mehr als 107 Kilometern pro Stunde über die Ziellinie. Noch nie ist ein F50-Katamaran so schnell gesegelt.
„Es sieht so aus, als könnte es morgen noch ein wenig schneller werden“, sagte Kosegarten-Heil im ZDF mit Blick auf die Wind- und Wettervorhersage für den zweiten Renntag, an dem nach derzeitigem Stand die „Black Foils“ aus Neuseeland mit Segelstar Peter Burling am Steuer sowie die Teams aus Frankreich und Australien die besten Chancen auf den Finaleinzug haben.
Zur Ausgangsposition der deutschen Crew erklärte der Steuermann: „Unsere ersten beiden Starts liefen nicht gut. Und dann wird es schwer, im Rennen noch unter die Top drei zu kommen. Aber im letzten Rennen haben wir es gut gemacht. Jetzt müssen wir morgen nachlegen, um noch eine Chance zu haben.“
Geht es nach Team-Germany-Trainer Lennart Briesenick sind die Aussichten, den Einzug ins Finale doch noch zu schaffen, allerdings gar nicht so schlecht. „Klar: Für uns lief es heute gemischt. „Aber wir haben im dritten Rennen gezeigt, dass wir nach einem guten Start unsere Führung auch halten und uns gegen die Konkurrenz behaupten können.“
Am späten Samstagnachmittag hatten sich die dunklen Wolken über Sassnitz wieder verzogen.
