
Der kanadische Journalist Doug Saunders prägte den Begriff der „Arrival City“. Damit gemeint sind Städte, besser gesagt: einzelne Viertel in diesen Städten, die zum Auffangbecken für Migranten und Glückssucher werden. Orte, an denen man auf eine bessere Zukunft hoffen, sich neu erfinden und ausprobieren kann. Orte, an denen Menschen etwas wagen. Dass Frankfurt zu solchen Städten gehört, die schon länger als „Arrival Cities“ gelten, ist eine Binsenweisheit.
Nun kommt eine Dokumentation ins Fernsehen, die die Stadt als genau solch einen Ankunftsort beschreibt. Die Journalistin Antonia Troschke hat die vierteilige Miniserie „Welcome to Frankfurt – Neu in der Stadt“ für den Hessischen Rundfunk gedreht. Von Freitag an wird sie in der ARD-Mediathek zu finden sein, auch im HR-Fernsehen werden die Folgen ausgestrahlt.
Troschke stellt darin mit viel Feingefühl Menschen vor, für die Frankfurt noch Neuland ist. Und sie zeichnet das Bild einer Metropole, die mal hart und oberflächlich, mal warm und eine gute Heimat sein kann.
Da ist der Junkie Mike, der in Frankfurt gestrandet ist. In einem Moment schwärmt er vom „besten Heroin der Stadt“, das er sich in die Vene schießen will, dann steht er plötzlich ganz verletzlich da. Präzise reflektiert er, in welches Dilemma er geraten ist. Und drückt sich doch davor, zu seiner Schwester nach Polen aufzubrechen, um einen Entzug zu wagen.
Da ist Luna Luce, die sich selbst verwirklichen will, mit Kampfsport und Tarotkarten. Da ist die erfolgreiche Bankerin Nicola, deren Leben aus nichts als Arbeit besteht, die am Abend erschöpft den Sonnenuntergang durch die bodentiefen Fenster ihrer Luxuswohnung – „Miete so ungefähr 5000 Euro“ – bestaunt. Da ist Zakaria, der aus Marokko kommt, um bei der Müllabfuhr eine Ausbildung zu machen. Und die jüdisch-orthodoxe Familie aus Israel, die nach Frankfurt zieht, weil der Familienvater Menachem dort eine Stelle als Kantor gefunden hat.
Ohne zu werten, lässt Filmemacherin Troschke ihre Protagonisten aus ihrem Leben erzählen, von ihren Hoffnungen, von Schwierigkeiten, von Schlüsselmomenten. Dabei kommt man diesen Menschen erstaunlich nahe. Man fiebert mit ihnen, entwickelt Sympathien, für den Abhängigen genauso wie die Karrierefrau. Und man blickt, selbst als Frankfurt-Kenner, am Ende noch einmal anders auf die Stadt.
