Das Gute liegt so nah. Das Interessante auch, doch manchmal findet man es erst auf Umwegen. Zum Beispiel auf der Landwirtschaftsmesse AGRA in Gornja Radgona in Slowenien, wo man ja nicht jeden Tag hinkommt. Aber interessant ist die Messe schon. Denn neben den neuesten Landmaschinen bietet sie ein sportliches Rahmenprogramm: Holzfällerwettbewerbe, Tauziehen, Polka-Tanz – und, besonders interessant: ein Fußballspiel der slowenischen Wein-Nationalmannschaft.
Hoppla, denkt man da. Wein-Nationalmannschaft? Die gibt es tatsächlich. Und die Slowenen verstehen etwas davon. Im Juni wurden sie in der Toskana Wein-Europameister. Im Finale gegen Gastgeber Italien stand es nach der regulären Spielzeit 1:1. Im Elfmeterschießen gewannen die Slowenen 5:4.
Dieser Text stammt aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Der europäische Winzer-Fußballverband mit Sitz an der Hochschule Geisenheim im Rheingau hat das unter Punkt 16 seines Reglements festgelegt. Spielberechtigt sind Winzer, Weinbauern und Menschen „aus Berufen mit direktem Weinbezug“, etwa Sommeliers oder Weinhändler. Zusätzlich darf jedes Land einen ehemaligen, mindestens 35 Jahre alten Profi und einen Prominenten einsetzen. Eine bemerkenswerte Regel. Wäre FIFA-Präsident Gianni Infantino auf diese großartige Idee gekommen, hätte bei der jüngsten WM Donald Trump im amerikanischen Team auflaufen können.
Und wenn wir schon bei Infantino sind: warum nicht gleich eine FIFA-Weltmeisterschaft der Berufsgruppen? Zunächst mit 32 Mannschaften, man fängt ja klein an. Wer hätte Chancen auf den Titel? Schriftsteller und Autoren spielen schon lange gegeneinander. Sie hätten Vorteile im kreativen Spielaufbau. Und wenn sie verlieren, schreiben sie ein Epos über die Schönheit der Niederlage.
Die einen hätten Probleme mit dem Linksaußen, die anderen mit dem Kapitän
Ärzte wären gesetzt. Apotheker auch. Da müsste man allerdings ein Auge drauf haben. Wegen Dopings, Sie wissen schon. Zum engeren Favoritenkreis gehörten die Türsteher. Robust, zweikampfstark und prügelfest wie das richtige argentinische Nationalteam. Problematisch könnte es werden, wenn der gegnerische Mittelstürmer zum dritten Mal im Strafraum auftaucht. Dann fliegt er womöglich raus. Nicht mit Rot, sondern mit einer rechten Geraden. Nicht unterschätzen sollte man auch die Finanzbeamten, diszipliniert und regelfest. Kein Einwurf würde ausgeführt, bevor zweifelsfrei geklärt ist, wem der Ball zuzurechnen ist.
Und natürlich die Politiker. Allerdings müsste man ihr Team noch nach Parteien unterteilen. Oder besser: Weltanschauungen. Und damit kämen wir endlich mal wieder zu meinem Lieblingsfußballintellektuellen: César Luis Menotti, der argentinische Weltmeistertrainer von 1978. Er unterschied bekanntlich zwischen rechtem und linkem Fußball. Der eine stand für Ordnung, Disziplin und Ergebnis, der andere für Freiheit, Kreativität und Freude.
Das verspräche ein besonders interessantes Duell: rechtspopulistische Aufsteiger gegen die letzten übrig gebliebenen Sozis – elf wird man da ja noch finden. Die Linken müssten zunächst klären, ob die Rolle eines Kapitäns in Zeiten flacher Hierarchien noch vertretbar ist. Die Rechten wiederum gerieten in Erklärungsnot, wenn sie mit einem Linksaußen auflaufen. Aber mit elf Rechtsaußen kämen sie vermutlich auch nicht weit.
Für die Besetzung des Eröffnungsspiels müsste man nicht lange überlegen: Winzer gegen Brauer. Fass gegen Flasche. Für Getränke ist gesorgt. Zum Wohl!
