
Fehler einzugestehen, fällt wohl kaum einem Menschen leicht, so auch kaum einem Politiker. Man stellt sich selbst und sein Versagen bloß, ergibt sich in das Urteil der anderen, im letzteren Fall der Wähler. Und die könnten ja befinden: untauglich, abtreten! Wie viel leichter scheint es da, einen Fehler einfach abzustreiten.
Nur dass in Zeiten allgegenwärtiger Medien und Mediennutzung irgendwann doch die Wahrheit ans Licht kommt, besonders wenn man dazu Nachrichten geschrieben und Telefonate geführt hat – oder eben nicht.
Leugnen bis zum Schluss
So erging es Anne Spiegel, der rheinland-pfälzischen Umweltministerin, die vor der Flutkatastrophe im Ahrtal nicht warnte und kurz danach in den Urlaub fuhr, beides aber erst zugab, als es nicht mehr zu leugnen war. Oder Karl-Theodor zu Guttenberg, der sich in seiner Plagiatsaffäre von Teilgeständnis zu Teilgeständnis hangelte, bis er schließlich doch zurücktrat. Oder dem Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, der bis zuletzt bestritt, dass die hoch bezahlte Anstellung seiner damals zukünftigen Frau etwas mit ihm zu tun gehabt haben könnte.
Einen ähnlichen Eindruck erweckt nun der Berliner Regierende Bürgermeister Kai Wegner nach neuen Ungereimtheiten über sein Verhalten beim Stromausfall Anfang des Jahres: Wird erst die Salamitaktik angewendet, ist mindestens die Glaubwürdigkeit dahin, womöglich auch das Amt. Die Berliner CDU bringt das zweieinhalb Monate vor der Abgeordnetenhauswahl in eine überaus schwierige Lage, die man im Januar vielleicht noch hätte abwenden können.
