Wenn es mit den heißen Sommern in den nächsten Jahren so weitergeht, müssen die Deutschen sich nicht nur in Sachen Wasserversorgung, Klimatechnik und Schiffsverkehr etwas überlegen, sondern auch kulinarisch neue Wege gehen. Einer davon könnte groß, saftig, süß und vor allem gekühlt enorm erfrischend sein.
Überall auf der Welt, wo es im Sommer – und manchmal darüber hinaus – besonders heiß und trocken ist, lieben die Menschen die Wassermelone. Ob im tropischen Süden Chinas, in weiten Teilen Indiens, in der Türkei, Griechenland und Spanien oder in den amerikanischen Südstaaten: Die runden bis ovalen Früchte mit der markanten grünen Hülle und ihrem knallroten Inneren sind dort im Sommer omnipräsent und eine willkommene Erfrischung.
Wobei das mit der runden Form inzwischen nicht mehr ausnahmslos gilt. Manchmal sind die saftigen Wasserbomben auch quadratisch. Zumindest in Japan. Dort ist ein findiger Bauer aus der Stadt Zentsuji schon vor knapp 50 Jahren auf die Idee gekommen, die dicken Dinger in kubischen Glaskästen wachsen zu lassen, sodass sie später stapelbar, gut zu transportieren und im Kühlschrank leichter zu verstauen sind. Vor allem in den großen Metropolen des Landes, wo Platz in jeder Hinsicht Mangelware ist, hat sich daraus ein Trend entwickelt. Inzwischen gibt es das Obst, das botanisch zu den Kürbisgewächsen zählt und deshalb eigentlich ein Gemüse ist, sogar in Herz- und Pyramidenform. Allerdings zu ziemlich happigen Preisen.

Die Wildform der Wassermelone stammt ursprünglich nicht aus Japan, sondern aus Afrika. Dort wurde sie schon von den alten Ägyptern kultiviert und ist mittlerweile praktisch auf der ganzen Welt zu finden. Seit Jahrtausenden wird sie als durstlöschende Frucht geschätzt und auch heute noch meistens roh verspeist: am Strand, im Garten, beim Picknick, auf der Terrasse, direkt aus Hand und Schale in den Mund oder in Stückchen geschnitten.
In der Küche spielt die Wassermelone meist nur eine Nebenrolle
Bis zu 20 Kilogramm schwer kann die hell- bis dunkelgrüne, meist gestreifte oder marmorierte Kugel werden, und mit rund 95 Prozent hat sie einen sehr hohen Wassergehalt. Das macht die Wassermelone nicht nur zu einer natürlichen Flüssigkeitsquelle, sondern auch zu einer außerordentlich leichten Speise. In der Küche spielt sie trotzdem meist nur eine Nebenrolle. Wenn sie nicht roh als sommerlicher Snack verdrückt wird, findet man sie vor allem in Salaten und Nachspeisen.
Ein genialer Happen für heiße Tage sind Spießchen mit einem Würfel Melone, einer Scheibe Fetakäse, einer entkernten schwarzen Olive und einer Sardelle. Eine wunderbar schlichte Aperitif-Variante besteht aus einem gekühlten Stück Wassermelone, einem Häppchen Feta und einem Gläschen griechischem Ouzo oder türkischem Raki mit einem Schluck eiskaltem Wasser oder einem Eiswürfel.

Mindestens ebenso belebend und fast genauso umstandslos zubereitet ist ein Wassermelonen-Martini: Alles, was man braucht, sind eiskalter Wodka oder milder Gin, eine Wassermelone, eine Limette und etwas Zuckersirup. Je Martini sechs Zentiliter Wodka, eine Handvoll kleine Melonenstücke, je einen Esslöffel Limettensaft und Zuckersirup mit Eiswürfeln in einem Cocktailshaker etwa 30 Sekunden kräftig schütteln und dann durch ein feines Sieb in ein vorgefrostetes Martini-Glas abseihen.
Sehr gut eignet sich Wassermelone auch als Teil eines Salats. Beliebt ist vor allem die Kombination mit Tomaten, aber auch mit Gurke, Feta und frischer Minze macht sich die Melone gut. Sie passt aber auch zu Avocado und Halloumi oder einem anderen Grillkäse und besonders gut zu gebratenen Garnelen.
Das Rezept für einen erfrischenden Salat, der den italienischen Antipasti-Klassiker Melone mit Schinken variiert, stammt vom legendären Sternekoch Eckart Witzigmann, und es klingt schwieriger, als es ist. Für vier große Portionen zunächst eine Salatgurke, eine halbe Honigmelone und eine viertel Wassermelone schälen, entkernen, in Streifen oder Würfel schneiden und in eine große Schüssel geben. Eine rote Zwiebel in Streifen schneiden, salzen, zehn Minuten ziehen lassen, ausdrücken, dann zwei Minuten in zwei Esslöffeln Portwein aufkochen und schließlich unter die Gurken- und Melonenstücke mischen. Nun zwei Esslöffel Rotweinessig mit drei Esslöffeln Olivenöl, etwas Salz und einem Dutzend Estragonblättchen mischen, in die große Schüssel geben und 15 Minuten ziehen lassen. Unterdessen den Saft einer Orange um die Hälfte einkochen, mit Salz und drei Esslöffeln Olivenöl mischen und zur Seite stellen. Nun den Gurken-Melonen-Salat zusammen mit dünnen Scheiben von Parmaschinken auf Tellern anrichten und mit der Orangen-Vinaigrette beträufeln.
Melone kann man auch grillen
Dass man das rote Fruchtfleisch der Melone auch grillen kann, klingt vielleicht seltsam, ist aber trotz des hohen Wassergehalts kein Problem. Dafür halbiert man eine Wassermelone und schneidet sie in etwa drei Zentimeter dicke Stücke. Diese werden ein wenig gesalzen und fest in Gefrierbeutel gewickelt. Dann etwa drei Stunden ziehen lassen. Auf diese Weise wird ihnen etwas Wasser entzogen, was sie deutlich stabiler macht. Wenn der Grill heiß ist, nimmt man die Melonenstücke aus den Beuteln, lässt sie abtropfen, bepinselt sie mit Erdnussöl und legt sie auf den Grillrost. Möglichst nur einmal wenden, damit die Stücke ein schönes Muster bekommen. Passt perfekt zu würzigem Fleisch, aber auch – als Dessert – zu Vanilleeis. Es lebe der Sommer!
