
Hurra, der Handwerker naht. Der Besuch ist ein willkommenes Kontrastprogramm, wenn die KI wieder mal halluziniert, dass es dem Bodenständigsten schwummerig wird. Der Ofenbauer bleibt angesichts der Transformationen entspannt: Er habe noch keinen Roboter gesehen, der den Ofen die Treppen hochtrage, die Rohrkrümmung im Altbau ausgleiche und Ausgedientes abbaue. Dass sich die Leute bei dem Heizungswirrwarr für sein Handwerk erwärmen, findet er erwartungsgemäß gut.
Getrübt werden seine Montagefahrten einzig durch jene Zeiträuber, die ihm seinen Beruf erklären. Menschen, überproportional studierte, die bislang mit Kaminöfen wenig Berührungspunkte hatten. Die aber meinten, sich tief ins Fachgebiet der Ofenkunde eingearbeitet zu haben, weil sie Testberichte gelesen und die KI befragt haben. Aus Käufersicht verständlich, ein Ofen kostet. Aber diese Sparfüchse blickten ihm über die Schulter, stünden im Weg und möchten ihr Halbwissen anbringen. „Auf Schritt und Tritt!“
Hauptsache, den Raum verlassen
Unter ihnen gibt es negative Ausreißer, die Neunmalklugen, die den Meister belehren und ihm Optimierungsvorschläge unterbreiten. Nebenbei wird er übers Brennmaterial befragt und mit Plattitüden gefüttert – Birke duftet und erzeugt ein anderes Flammenbild als Buche, teure Eiche brennt länger, großartig, aber ökologisch so eine Sache. Der Kaminofenbauer sagt: „Ich schicke die dann zum Kaffeekochen. Sollen die an ihrer Siebträgermaschine glänzen.“ Hauptsache, sie verlassen den Raum.
Seine Kollegin könne hingegen oft in Ruhe arbeiten. Ihre Vermutung: Sie profitiert von Teenagerkindern, die ihren Vätern das berüchtigte „Mansplaining“ verboten haben. Es geht bei Jüngeren gar nicht, wenn die Väter der Handwerkerin bevormundend erklären, was sie wie zu tun hat. Das haben ihr aufgeschlossene Auftraggeber anvertraut. Werde sie dennoch belehrt, dreht die Ofenbauerin den Spieß um und traktiert den Kunden mit flüssig vorgetragenem Fachvokabular über „kürzlich erschienene“ Studien und mögliche Kostenersparnis. „Die verstummen dann.“ Keine Rede mehr vom „Herrklären“.
Mehr Leidensdruck durch solche Erklärbären, so brummelt der Ofenbauer, verspürten Mediziner. Neulich im Wartezimmer („ich hatte Rücken“) konsultierten die Dr. Google und Dr. KI, um dem Arzt im Detail Diagnose und Therapie zu unterbreiten. Wie war das mit dem Schuster und seinen Leisten?
In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wechselnde Autoren mit einem Augenzwinkern über Kuriositäten im Arbeitsleben.
