
Die Deutsche Post setzt künftig stärker auf anbieteroffene Paketboxen: Die Post-Tochtergesellschaft „Dein Fach“, die in Deutschland rund 1700 anbieterunabhängige Paketboxen betreibt, übernimmt den nach Automatenanzahl größeren und in Österreich ansässigen Konkurrenten „Myflexbox“. Das teilte die Deutsche Post, die zum DHL-Konzern gehört, am Donnerstag mit, ohne einen Kaufpreis zu nennen. Verkäufer sind die britischen Investoren von Star Capital, denen Myflexbox zuletzt gehörte.
Myflexbox, das ebenfalls anbieterunabhängige Paketautomaten unterhält, hat in Deutschland momentan etwa 2000 und in Österreich derzeit ungefähr 1000 solcher Boxen. Die heutigen „Dein Fach“-Automaten sollen künftig schrittweise in „Myflexbox“ umbenannt werden. Durch die Zusammenarbeit entstehe das „größte anbieteroffene Paketstationsnetz im deutschsprachigen Raum“, teilte die Post mit.
Die Übernahme führt auch dazu, dass die Deutsche Post, die zum Bonner Logistikkonzern DHL gehört, ihr Gesamtausbauziel für Paketautomaten in Deutschland nach oben schraubt. Wollte sie bislang bis zum Jahr 2030 insgesamt 30.000 Stationen betreiben, sollen es jetzt 50.000 werden, davon mehr als die Hälfte anbieterunabhängig. Das bedeutet, dass in die Paketfächer auch Sendungen eingeliefert werden können, die über einen anderen Dienst verschickt wurden.
Komplexe Standortsuche
Insgesamt dreht DHL damit seine Strategie wesentlich stärker in Richtung der anbieteroffenen Modelle. Bislang sind die allermeisten Automatenlösungen des Konzerns gelbe Post- oder Packstationen. In Zahlen: Die Post hat momentan nach eigenen Angaben hierzulande insgesamt 19.000 Automaten, davon sind 17.300 sogenannte proprietäre Stationen, die nur von ihr selbst bedient werden.
Durch mehr offene Paketstationen könnten „bestehende Flächen besser genutzt und zusätzliche Standorte erschlossen werden, ohne dass mehrere getrennte Automatenlösungen nebeneinander aufgebaut werden müssen“, begründete die Post ihren Schritt. Schon länger ist aus dem Unternehmen zu hören, dass die Standortsuche komplex sein kann, da Baugenehmigungen für die Paketautomaten oft mit hohem bürokratischem Aufwand verbunden seien.
Paketboxen sind schon länger im Trend, die Haustürzustellung dagegen verliert an Bedeutung, obgleich sie in Deutschland bislang noch immer dominiert. Kunden werden jedoch häufiger zu Selbstabholern, was für sie aufwendiger ist, aber sinnvoll sein kann, wenn sie tagsüber ohnehin nicht zu Hause sind.
Attraktiv sind die automatisierten Stationen in schwer zugänglichen Innenstädten jedoch vor allem für die Paketdienste. Sie müssen sich dadurch mit ihren Lieferfahrzeugen seltener durch enge Straßen zwängen oder in zweiter Reihe parken. Auch weil Filialen personalintensiv sind und immer weniger Kioske als Paketshops fungieren wollen, sind automatisierte Stationen im Aufwind.
