
Von 2,3 auf 2,8 Prozent ist die Inflation in Deutschland im Juli gestiegen. Das ist ein ganz schöner Sprung. Der Hauptgrund ist das Auslaufen des Tankrabatts, der in den Monaten Mai und Juni die Inflationsrate in Deutschland künstlich gedrückt hatte. Jetzt zeigt sich die unverstellte Wirklichkeit. Es sind weiterhin vor allem die Energiepreise, von denen die Inflation getrieben wird, aber nicht nur.
Aufgabe der EZB wird es nun sein, mögliche Zweitrundeneffekte zu verhindern. Sie kann zwar nicht für mehr Öl sorgen, aber sie kann sicherstellen, dass aus dem Energiepreisanstieg keine Inflationsspirale wird. Immerhin wäre es nicht abwegig, dass jetzt als Nächstes die Gewerkschaften bei Tarifverhandlungen einen Inflationsausgleich verlangen und die Unternehmen später höhere Lohnkosten als höhere Preise weitergeben. 6,1 Prozent Lohnerhöhung in drei Stufen hat gerade die Süßwarenindustrie vereinbart, andere könnten sich sicher auch noch mehr vorstellen. Auch wenn sich die Weltlage im Moment von Tag zu Tag ändern kann, sollte die Notenbank, Stand heute, die Leitzinsen nach der Sommerpause anheben.
Viele Wahlkämpfer dürfte die Entwicklung nicht freuen. Die Anzeigetafeln an den Tankstellen machen die Inflation besonders sichtbar. Das sorgt gerade in der Reisezeit für Unmut. Trotzdem sollte die Politik die Finger lassen von staatlichen Eingriffen in die Preise: von Tankrabatten genauso wie von Preisdeckeln. So was geht fast immer schief.
