Eberhard im Bart, der erste Herzog von Württemberg, wurde 1445 in Urach geboren als Sohn von Graf Ludwig II. von Württemberg und Mechthild von der Pfalz, die in Rottenburg ausweislich germanistischer Überzeugung einen „Musenhof“ unterhielt. Eberhard kam demnach früh mit den Künsten in Berührung und war interessiert an ihnen. Dem lateinunkundigen Grafen widmete Niklas von Wyle seine 1469 entstandene Übersetzung des Lukian zugeschriebenen „goldenen Esels“, die von der lateinischen Fassung Poggio Bracciolinis ausging. Eberhard war, zunächst unter Vormundschaft, alleiniger Erbe der Uracher Hälfte der Grafschaft Württemberg, es gelang ihm aber, die Grafschaft wieder zu vereinen. Kaiser Maximilian erhob ihn 1495 schließlich zum Herzog. Schon 1496 starb er in Tübingen, wo er 1477 die Universität gegründet hatte.
Sie erinnert bis heute trotz kontroverser Diskussionen, die von Eberhards antijüdischer Haltung ausgingen, nicht nur mit ihrem Namen an ihn, sondern auch im Corporate Design: Eberhard verband sein Wirken, der Praxis italienischer Adelshäuser entsprechend, mit einer Imprese, einem Sinnbild, das aus dem Symbol der Palme und seiner Devise „Attempto“ besteht. Die Palme und das „Attempto“-Motto stehen auch heute noch für die Universität Tübingen.
Die Palme kommt nicht aus dem Heiligen Land
Man hat früher die Imprese, die Eberhards Bücher, aber auch die Toreinfahrt des Uracher Schlosses ziert, mit Eberhards Pilgerfahrt ins Heilige Land im Jahr 1468 in Verbindung gebracht. Dies lässt sich aber nicht erhärten. Zumindest mit Blick auf die Palme konnte Ingrid Gamer-Wallert Entscheidendes klarstellen. Nicht grundlos erscheint die Palme erstmals in der Uracher Toreinfahrt. Als Symbol der Gerechtigkeit und der Weisheit versinnbildlicht der Baum Eberhards Bemühen um die Wiedervereinigung des geteilten Württembergs.

Zugleich steht die Palme auch für die Liebe. 1474 feierte Eberhard seine Hochzeit mit Barbara Gonzaga, der Tochter von Markgraf Ludwig III. von Mantua. Schon vom alttestamentlichen Hohelied aus lässt sich die Palme als Braut auslegen, die im Zuge der Hochzeit in den Norden verpflanzt wird, weswegen auch ihr Wurzelwerk in der Uracher Toreinfahrt und fürderhin freigelegt erscheint. Wie sinnfällig ist es, dass Barbara Gonzaga mit dieser Palme im Uracher Schloss begrüßt wurde!
Die „Attempto“-Devise ist indes älter. Der erste Nachweis stammt aus dem Jahr 1472, und zwar von der Rückseite von Eberhards Betstuhl, der zunächst in der Kartause Güterstein bei Urach stand (heute ist er in der von Eberhard gebauten Uracher Amanduskirche zu sehen). Was meint Eberhard mit dem Ausdruck „Attempto“, dessen Bedeutung zwischen „ich wage es“ und „ich versuche es“ schwankt?
Der Kartäuserprior als Reformator
Über seine Eltern war Eberhard mit der Kartause Güterstein verbunden, die bis 1439 eine Propstei des Benediktinerklosters Zwiefalten gewesen war. Nach der endgültigen Aufteilung Württembergs 1442 wurde Urach zur bedeutendsten Residenz im Landesteil des Vaters von Eberhard. Graf Ludwig schätzte die Kartause sehr; er ließ sich in ihr bestatten. Sie stand in enger Verbindung zur Dynastie und über den Tod Ludwigs 1450 hinaus insbesondere zu Mechthild und Eberhard. Auch in Eberhards Reformbemühungen spielte die Kartause eine wichtige Rolle. 1459 wurde der Gütersteiner Prior in einer Bulle von Papst Pius II. mit der Visitation und gegebenenfalls Reformation der Männer- und Frauenklöster in beiden Grafschaften Württembergs betraut. Dass das 15. Jahrhundert ein Säkulum umfassender Klosterreformen war, ist bekannt; man darf aber nicht vergessen, dass die Reform auch im Interesse der Landesherren lag. Gleichsam geborene Gegner der Reform waren Adlige und Bischöfe, die zugunsten der Landesherren beiseitegedrängt wurden.

Auch in diesem Sinne gab es eine enge Verbindung von Güterstein und dem Grafenhaus, die ergänzt wurde durch andere Maßnahmen. Für die Reform des Weltklerus spielte die in Süddeutschland einmalige, 1477 verfügte Ansiedlung der Brüder vom gemeinsamen Leben, also der Devotio moderna, eine entscheidende Rolle. Mit dem Humanismus verband die von Geert Groote begründete, in den Städten Deventer, Kampen und Zwolle entstandene Bewegung eine Rückbesinnung, in ihrem Fall auf das apostolische Leben. Eine vertiefte persönliche Frömmigkeit diesseits des Mönchtums speiste eine antiinstitutionelle Haltung bei starker Ausrichtung auf Christus.
Zwischen den Kartäusern und den Brüdern vom gemeinsamen Leben gab es Überschneidungen, was die gelesene und geschriebene Literatur betraf. Die Bibliothek in Güterstein war indes stärker auf Schriften aus dem Umfeld der Wiener Universität ausgelegt. Angesichts der Unterschiede in der Frömmigkeitspraxis, insbesondere mit Blick auf Laien, ist es von einiger Bedeutung, dass Eberhard wohl schon früh mit Gabriel Biel und der Devotio moderna in Verbindung kam. Wann genau dies geschah, lässt sich nicht mehr feststellen, aber Eberhard hatte sich bereits in den frühen Sechzigerjahren in der Mainzer Stiftsfehde auf die Seite Adolfs von Nassau gestellt – gemeinsam mit Gabriel Biel und anderen.
Freiheit und Selbstbindung Gottes
Gabriel Biel, mit dem sich viele, darunter später auch der Augustinereremit Martin Luther, auseinandersetzten, folgte einem Prinzip, das dem universitären Kontext des 14. Jahrhunderts entstammt und das Zusammenwirken von Gott und Mensch auf dem Weg zum Heil betrifft. Er unterschied wie andere nominalistische Theologen, namentlich Robert Holcot und Wilhelm von Ockham, zwischen der Freiheit Gottes und dessen Selbstbindung: Gott ist zwar zweifelsohne nicht verpflichtet, die moralischen Anstrengungen der Menschen anzuerkennen, hat sich aber in einem freien Willensakt dazu entschieden. Dies kulminiert in dem Prinzip, dass der Mensch das zu tun hat, was in ihm ist, also sein Bestes geben soll: Gott werde seine Hilfe dann nicht verweigern („facere quod in se est“).

Diese Zusammenhänge erhellen Eberhards Devise „Attempto“. Ein Wort, das man mit Wagemut, dem Aufbruch ins Ungewisse identifizieren und gewissermaßen als Devise auf dem Weg in die Neuzeit verstehen könnte, ruft die Haltung eines kniefälligen Beters auf. Wie kam Eberhard mutmaßlich mit diesem Gedanken in Berührung? Das allgemeine Prinzip der nominalistischen Gnadenlehre wurde unter Umgehung der komplexen theologischen Begründungszusammenhänge in vielfältigen Hinsichten auf die Praxis zugeschnitten. So wandelte sich der argumentative Duktus des Prinzips „facere quod in se est“ etwa bei Thomas von Kempen, einem wichtigen Autor der Devotio moderna, in einen auffordernden: „Fac quod in te est: et Deus aderit bonae voluntati tuae.“ („Tu, was in dir ist, und Gott wird deinem guten Willen beistehen.“)
In diesem Kontext ergibt die Devise „Attempto“, zumal wenn sie auf einem Betstuhl erstmals erscheint, besonderen Sinn. Wenn wir uns vorstellen, dass Eberhard im Bart etwa von Gabriel Biel aufgefordert wird, zu tun, was in ihm sei, und Gott werde seinem guten Willen beistehen, dann ist das „Attempto“ Eberhards Antwort auf diesen Imperativ: „Ich versuch’s.“ Kein kühnes Wagnis, auch nicht der heroische Versuch, mit schwierigen neuen Aufgaben umzugehen, sondern die demütige Bereitschaft des Christen, „sein Bestes zu tun“, in der Hoffnung auf Gottes Beistand.
Die Palme (mit ihrer Durchsichtigkeit auf das „Hohelied“, aktualisiert in der Hochzeit mit Barbara Gonzaga) und das „Attempto“ (als Hoffnung auf das Ineinander von menschlichem Tugendstreben und göttlicher Gnadenzuwendung) bilden somit eine zutiefst christliche Imprese. Es drückt sich in ihr ein christlicher Habitus aus, der ein Effekt der Reformanstrengungen ist und letztlich ständeübergreifend Teil eines Strukturwandels von Gesellschaft und menschlichem Selbst an der Schwelle zur Neuzeit war. Vor diesem Hintergrund ist es nur konsequent, dass sich Eberhard in der Kutte der Brüder vom gemeinsamen Leben bestatten ließ.
Überarbeitete und gekürzte Fassung der Antrittsvorlesung, die Maximilian Benz als Inhaber des Lehrstuhls für Deutsche Philologie (Mediävistik) der Eberhard-Karls-Universität Tübingen am 9. Juli 2026 gehalten hat.
