Als der Film „Jennifer’s Body“ im Jahr 2009 in die Kinos kam, wurde dieses offenbare Zurschaustellen einer zu Tode objektifizierten Sex-Ikone namens Megan Fox nicht besonders gut aufgenommen. Die Häme und die Verständnislosigkeit, die „Jennifer’s Body“ damals von Kritikern und Kinogängern entgegengebracht wurden, hätten allerdings schon Aufschluss darüber geben können, dass dieser Film einen Nerv getroffen hat. Er war seiner Zeit schlicht voraus!
Für Außenstehende kurz zur Handlung: Der Film spielt in der sehr „Twilight“-mäßigen US-Kleinstadt „Devil’s Kettle“, vom schmachtenden Ton der Vampir-Saga ist hier allerdings nichts zu merken. Stattdessen ist „Jennifer’s Body“ eine bitterböse Horrorkomödie über die Dynamik zwischen Oberstufen-Königin Jennifer Check, gespielt von Megan Fox, und der zurückhaltenden Anita „Needy“ Lesnicky, gespielt von Amanda Seyfried. Needy vergöttert ihre Kindergartenfreundin und lässt sich von ihr gnadenlos herumkommandieren.
Sie steigt in den Wagen der Band
Beim Konzert der für die späten Nullerjahre sehr typischen Emo-Band Low Shoulder läuft alles aus dem Ruder: Ein katastrophales Feuer lässt den Abend vorschnell enden, und in der Hitze des Moments willigt Jennifer ein, in den Lieferwagen der Band zu steigen. Anschließend ist sie irgendwie nicht mehr dieselbe.
Die auf der Hand liegende Thematik wird geschickt kaschiert: Statt einer Vergewaltigung zeigt der Film, wie die männlichen Bandmitglieder die von Megan Fox gespielte Jennifer bei einem satanistischen Ritual opfern. Davon versprechen sie sich den großen Durchbruch. Ob ihr überhaupt klar wäre, wie schwer es sei, heutzutage als Indieband Erfolg zu haben, fragt der kajaltragende Emo-Sänger leicht gereizt (gespielt von „O.C., California“-Star Adam Brody), bevor er Jennifer mit einem Bowiemesser dem Teufel übergibt.
Fox berichtete Jahre später, das sei auch für sie persönlich emotional gewesen: „Mir wurde klar, dass die Szene, in der sie mich opferten, meine damalige Beziehung zu den Filmstudios widerspiegelte“, sagte Fox 2019.
Fehlgeschlagenes Ritual
Das Ritual geht nach hinten los, weil die Bandmitglieder Jennifer fälschlicherweise für eine Jungfrau gehalten haben. Statt in ein traumatisiertes Opfer verwandelt die sich in einen männerfressenden Dämon. Als Jennifer zu allem Überfluss auch noch beginnt, ein beunruhigendes Interesse an „Needys“ Freund Chip zu entwickeln, wird der klar, dass sie etwas gegen ihre beste Freundin unternehmen muss.
Das klingt alles nicht gerade nach Hochkultur, aber der Film besitzt eine stetig wachsende Fangemeinde. Denn er ist auf eine so atemberaubende Weise radikal, dass es auch nach siebzehn Jahren noch ziemlich unterhaltsam ist, ihn zu schauen.
Wenn man nicht mehr zur Schule geht, ist das alles natürlich weniger akut, aber es ist beeindruckend, wie akkurat der Film die von Begehren, Dominanz und sexueller Unsicherheit geprägte Freundschaft zwischen Jennifer und „Needy“ abbildet, wie es sie wohl nur zwischen Teenagermädchen geben kann.
Drehbuch von Oscarpreisträgerin Diablo Cody
Über den Film kann man mittlerweile ganze „critical essays“ in kulturwissenschaftlichen Fachjournalen finden. In denen ist zu lesen, dass Jennifers Hunger die gesellschaftliche Forderung widerspiegele, „dass weibliche Körper diszipliniert und zurückhaltend sein sowie ihre Begierden zügeln müssen“. Die Autoren loben, der Film betrachte „Geschlechternormen mit trockenem Witz“ und revidiere mit bewusster Reflexion „Konventionen des Teenager-Horrorfilms“.
Dass der Film überraschend dialogstark und tiefgründig ist, ist kein Zufall, denn das Drehbuch stammt von Oscarpreisträgerin Diablo Cody. Die hatte nach ihrem Erfolgsdebütfilm „Juno“ (2007) von Hollywood ungewöhnlich freie Hand bekommen. Mit „Jennifer’s Body“ habe sie sich einen Traum erfüllt. Ihr sei vollkommen klar gewesen, wie bizarr der Film sei, da er sich nicht am Muster erfolgreicher Filme orientiert habe, berichtet Cody rückblickend.
Falsche Vermarktung
Dennoch, und das berichten viele Beteiligte, sei bei der Vermarktung des Films einiges schiefgelaufen. Als einzigen „selling point“ habe man Megan Fox’ Sexappeal auf ein junges, männliches Publikum im Auge gehabt, für das der Film aber offensichtlich zu hintergründig gewesen sei. Und den Rest der potentiellen Zuschauer habe man durch das plakativ-sexistische Filmplakat abgeschreckt, auf dem Megan Fox in Cheerleader-Uniform zu sehen ist.
Dass nun, zwanzig Jahre später, ein zweiter Teil entstehen soll, ist eine überraschende Wendung. Für die Fortsetzung konnte man neben Drehbuchautorin Diablo Cody auch eine begeisterte Megan Fox und die damalige Regisseurin Karyn Kusama gewinnen. Noch unklar ist, ob auch „Needy“-Schauspielerin Amanda Seyfried dabei sein wird.
Dabei wäre es wohl unrealistisch, die sich mittlerweile in ihren Vierzigern befindlichen Schauspielerinnen wieder als Schülerinnen auftreten zu lassen. 2017 sagte Cody jedenfalls, solle es jemals zu einer Fortsetzung kommen, sei sie sehr sicher, dass sie es nicht versauen werde.
