
Entspannt, so könnte ein Stichwort des 63. Hessentags in Fulda lauten. Viel Gelassenheit, viel Spaß und viel Wohlgefühl: Die Organisatoren haben dieses Versprechen für das Landesfest eingelöst. Die Fuldaer haben sich auf und über den Hessentag gefreut, und das hat man in der zentralen Stadt Osthessens auf Schritt und Tritt gespürt. Dort fühlt man sich gelegentlich ob der Lage ein wenig abgekoppelt, auch von daher war das Landesfest Balsam für die Seele der Stadt.
Das entspricht auch durchaus dem Kalkül der lokalen Organisatoren: Man wolle, das hatte Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU) gesagt, mit der Großveranstaltung die Aufmerksamkeit auf die Stadt richten. Ein Anspruch, mit der man im Rathaus, also dem Stadtschloss, schon Erfahrung hat: Auch die Landesgartenschau war für Fulda ein Instrument zur Imagewerbung. Atmosphärisch ist das Kalkül jedenfalls aufgegangen. Die finanzielle Seite wird mit der Schlussabrechnung geklärt. Sie kann positiv ausfallen, das hat vor einem Jahr Bad Vilbel mit einem Millionengewinn gezeigt – nicht immer behalten die professionellen Bedenkenträger recht.
Profitiert hat das Fest von den Gegebenheiten in Fulda. Alles liegt nahe beieinander. Wer den Hauptbahnhof verlässt, steht mitten in der City und war während des Hessentags sofort im Herzen des Geschehens. Schon so ist die vom Barock geprägte Innenstadt ein Anziehungspunkt, beim Landesfest wurde sie zum „place to be“. Aber auch in Osthessen zeigt sich, dass es kein Selbstläufer ist, in Zeiten von Onlinehandel und Lieferservice ein Stadtzentrum belebt zu halten: Die Stadt hat ein ehemaliges Kaufhaus erworben und bespielt es seitdem mit wechselnden Mietern und Veranstaltungen. Zum Hessentag bezog dort das Land mit seinen Institutionen Quartier. Damit lösen die örtlichen Organisatoren auch ein Versprechen zur Stadtentwicklung ein. Nicht nur für den Hessentag sollen bestehende Einrichtungen neu genutzt werden, eine Maxime für die Zukunft der Stadt.
Zum Schluss das Generelle: Die Diskussion über Sinn und Unsinn, über Länge und Kosten des Hessentags ist auch 2026 wieder geführt worden, mit bekannten Argumenten: Die einen meckern, dass das alles überzogen sei, die anderen beschwören eine integrative Kraft des hessischen Landesfests. Doch jenseits von Erbsenzählerei und Identitätsgeschwurbel: Zehn Tage lang haben Hessen gefeiert und Spaß gehabt. Darf auch einmal einfach so sein.
