Die US-Armee hat bei einem erneuten Angriff auf ein Boot in der Karibik zwei Menschen getötet. Das Militär wirft der Besatzung des Bootes Drogenschmuggel vor. Sechs Menschen hätten den Angriff überlebt, teilte das für
Lateinamerika zuständige US-Südkommando Southcom auf X mit. Das Boot sei demnach Geheimdiensterkenntnissen zufolge auf bekannten Schmuggelrouten in der Karibik unterwegs gewesen. Die Angaben des US-Militärs lassen sich nicht unabhängig prüfen.
Southcom habe eigenen Angaben zufolge die US-Küstenwache über die »sechs männlichen
Überlebenden« informiert. Die US-Armee machte keine weiteren Angaben
zum Zustand der Überlebenden oder deren Rettung.
Das US-Militär greift seit Anfang September letzten Jahres unter Anordnung von US-Präsident Donald Trump Boote in der Karibik und im östlichen Pazifik an, mit denen angeblich Drogen in die USA geschmuggelt werden sollen. Seit Beginn des Einsatzes
wurden nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP inzwischen
mindestens 206 Menschen bei solchen Angriffen getötet.
Kritik an Rechtmäßigkeit der Attacken
Bislang hat die US-Regierung jedoch keine
eindeutigen Belege dafür vorgelegt, dass die angegriffenen Schiffe
tatsächlich in den Drogenhandel verwickelt waren. Juristen und
Menschenrechtsgruppen kritisieren das Vorgehen scharf. Demnach könnten die Angriffe außergerichtliche Tötungen darstellen, da sie sich offenbar gegen
Zivilisten richteten, die keine unmittelbare Bedrohung für die USA
darstellten.
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch kritisierte die Angriffe und sprach von »ungesetzlichen
außergerichtlichen Tötungen«. Auch einige Mitglieder des US-Kongresses
kritisieren das
Vorgehen der Regierung, darunter zunehmend auch Mitglieder der Republikanischen Partei. Zudem haben Hinterbliebene von Opfern eines Angriffs die US-Regierung verklagt.
Die Attacke im Oktober vergangenen Jahres, bei der zwei Männer getötet
wurden, käme einem Kriegsverbrechen gleich. Die Tötungen der beiden Männer seien deshalb »als Morde einzustufen« hieß es in der Klageschrift.
