
Die AfD hat ihren Höhenflug bei den Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin fortgesetzt. Sie hat aber in beiden Ländern keine realistische Aussicht, die Regierung anzuführen. Der AfD-Vorsitzende Tino Chrupalla sprach mit Blick auf Mecklenburg-Vorpommern von einem „sensationellen Ergebnis“. Die AfD habe „ganz klar den Regierungsauftrag“.
Nach den ersten Prognosen könnte die bisherige Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) aber weiter im Amt bleiben. Ihre Sozialdemokraten fuhren nach den Prognosen Verluste ein, sie kamen je nach Umfrageinstitut auf 35,5 beziehungsweise 36,5 Prozent; im Jahr 2021 hatten sie 39,6 Prozent erreicht. Schwesig hat bisher zusammen mit der Linkspartei regiert, die Verluste hinnehmen musste und in den ersten Prognosen über der Fünf-Prozent-Hürde liegt. Ein möglicher Partner für Schwesig wären auch die Grünen, die noch um den Einzug in den Landtag bangen mussten, ebenso wie die CDU und das BSW.
Die SPD hatte sich zuletzt ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der AfD geliefert, die ihren großen Erfolg aus der Wahl in Sachsen-Anhalt Anfang September auch in Mecklenburg-Vorpommern fortsetzen wollte. Dies gelang ihr, sie konnte ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppeln und kam in den Prognosen auf 37 beziehungsweise 38 Prozent.
In Berlin zeichnet sich ab, dass erstmals die Linkspartei als stärkste Kraft aus der Wahl hervorgehen könnte. Spitzenkandidatin Elif Eralp müsste eine Koalition mit Grünen und SPD schmieden, um die Stadt als Regierende Bürgermeisterin regieren zu können. Eralp sagte nach den ersten Prognosen, ab dem Wahltag werde man Berlin „zu einem besseren Ort“ machen. „In unserer Stadt hat die Liebe und die Gerechtigkeit über Hass gewonnen und dieses Signal geht raus in die Welt.“
In der Hauptstadt landete die Linkspartei ersten Prognosen zufolge vor der CDU, die im Vergleich zur Wahl im Jahr 2023 einige Prozentpunkte verlor. Der Linkspartei gelang es, ihr Ergebnis aus der vorangegangenen Wahl zu verdoppeln. Sie war damals auf 12,2 Prozent gekommen. Die AfD konnte ihr Ergebnis von 2023 deutlich verbessern, damals war sie auf 9,1 Prozent gekommen.
Unklar war zunächst noch, ob sie hinter der CDU auf Platz drei landen würde oder ob die Grünen noch an ihr vorbeiziehen würden. Die Grünen waren 2023 auf 18,4 Prozent gekommen, und mussten den Prognosen zufolge nun Verluste hinnehmen. Die SPD stürzte ab und landete auf Platz fünf. Das BSW würde den Einzug ins Abgeordnetenhaus laut den Prognosen verfehlen.
Bei beiden Landtagswahlen hatte sich schon nachmittags eine höhere Beteiligung abgezeichnet. Im Nordosten gaben bis 14 Uhr 40,7 Prozent der rund 1,3 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme ab, wie Landeswahlleiter Christian Boden am Sonntag mitteilte. Bei der Landtagswahl 2021 seien es zu diesem Zeitpunkt 32,5 Prozent gewesen.
In Berlin lag die Wahlbeteiligung bis 12 Uhr nach Angaben des Landeswahlleiters Stephan Bröchler bei 27,9 Prozent und damit über dem Vergleichswert von 23,4 Prozent bei der Wahl 2023. In der Hauptstadt waren rund 2,5 Millionen Menschen aufgerufen, ein neues Abgeordnetenhaus zu wählen. Die Wahlbeteiligung in Berlin lag bis 16 Uhr bei 58,2 Prozent und damit deutlich über dem Vergleichswert von 48,8 Prozent bei der Abgeordnetenhauswahl von 2023, wie der Landeswahlleiter Stephan Bröchler mitteilte.
