
Die Wette ist aufgegangen: Ulrich Siegmund gewinnt die Herzen der Wähler und damit auch Wahlen. Der telegene, dynamische, nimmermüde und immer freundliche Wahlkämpfer aus Sachsen-Anhalt hat nicht nur das beste Ergebnis seiner Partei in einer Landtagswahl jemals eingefahren, sondern auch sehr hohe persönliche Zustimmungswerte. Das zeigen Nachwahlbefragungen. Aus dem 35 Jahre alten Verkäufer für Raumbeduftungen aus Tangermünde ist der Strahlemann der AfD geworden. Und womöglich wird er zum jüngsten Ministerpräsidenten gewählt, den es je gab.
Dass es für ihn so steil bergauf gehen würde, war bei seinen ersten politischen Schritten nicht zu sehen. Siegmund war einige Jahre Mitglied der CDU, schaffte es dort aber nicht, in den Vorstand der Ortsgruppe gewählt zu werden. 2014 wechselte er zur AfD, dort ging es dann flugs bergauf: 2016 zog er in den Magdeburger Landtag ein und gehörte von da an auch zum Landesvorstand, von 2022 an führte er auch die Fraktion. Er erreichte viele Menschen über seine Kanäle in den sozialen Medien. Bald entwickelte er seinen ganz eigenen Stil, der ihn nahbar und emotional wirken lässt. Zu Beginn trat er noch aggressiver auf, seit gut einem Jahr spricht Siegmund hoffnungsvoller, freundlicher.
Siegmunds Umfeld stammt aus dem radikalen Milieu
Über Jahre wurde er im Landesverband aufgebaut, um 2026 schließlich als Spitzenkandidat ins Rennen zu gehen. Hinter ihm stehen in der sachsen-anhaltischen AfD Männer, die teils aus der identitären, teils aus der neonazistischen Szene stammen. Auch Siegmunds Sprecher war in der inzwischen verbotenen Neonazi-Gruppe Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ) tätig. Siegmund selbst gehörte, soweit bisher bekannt, nie zu einer solchen Szene. Allerdings war er unter den Teilnehmern des „Remigrations“-Treffens von AfD- und CDU-Politikern mit dem Identitären Martin Sellner in Potsdam im Jahr 2023.
Siegmund ist verheiratet und hat mit seiner Frau eine gemeinsame Tochter. Er tritt auf als „ganz normaler Mensch“ und überzeugt weniger mit Inhalten als mit seiner netten Art, der guten Laune und dem diffusen Versprechen, dass es wieder besser wird. Skandale konnten ihm bisher nichts anhaben. Als herauskam, dass Siegmunds Vater zeitweise für ein sehr hohes Gehalt bei den AfD-Abgeordneten Martin Reichardt und Matthias Büttner angestellt war und inzwischen für Thomas Korell arbeitet, ließ er den Vorwurf der Vetternwirtschaft an sich abtropfen. Alles sei rechtlich einwandfrei. Es sei doch logisch, dass die AfD untereinander Freunde und Verwandte anstelle, weil viele sie ausgrenzten.
Mit dieser glatten Art und seinem Erfolg hat Siegmund sich für die AfD in Sachsen-Anhalt unverzichtbar gemacht. Er sei schon vorher wichtig gewesen, hört man aus der Partei. Jetzt habe er seine Position noch gefestigt, er werde auf jeden Fall Ministerpräsident – auch, wenn die AfD-Spitze ihn dann vielleicht dazu zwingen wird, einige seiner Versprechen zu kassieren, etwa jenes, keine Minderheitsregierung anzustreben.
Vielleicht hat Siegmund sich mit seinem Erdrutschsieg auch für höhere Ämter empfohlen. Mancher fragt ihn schon danach. Auf die Frage, ob er sich vorstellen könne, 2029 Bundeskanzler zu werden und damit die als gesetzt geltende Kandidatur von Weidel anzufechten, antwortet er nach dem Wahlsieg stets, dass er sich nur eine Bundeskanzlerin Alice Weidel vorstellen könne. Er gehört zum Netzwerk der AfD-Chefin und zeigt sich ihr gegenüber äußerst loyal.
