
Wandteller mit Tempelrelief, bemalt wie von einem Dreijährigen, Einmachgläser mit Sandschichten, wieder auferstanden aus den Neunzigern, blinkende Leuchturmmagnete, Mini-Tutanchamuns aus Gips – all das sind Reiseandenken, an die man lieber nicht denken mag. Kitsch bleibt Kitsch, und der ganze Tand bereichert einzig und allein das nächste Schrottwichteln, wenn überhaupt. Was für ein Glück, dass viele Kollegen das Büro zurückhaltender mit ihren Souvenirs bestücken.
So wie die Chinareisende, die ihre kostbare Tasse in der Teeküche bunkert. Wehe, wenn die jemand außer der Besitzerin benutzt! Diese Tasse stamme vom Nachtmarkt in Peking, traditionell glasiert, die gestenreiche Expertise des Verkäufers bescherte ein unvergessliches Urlaubserlebnis. Entzaubert wird das chinesische Gefäß durch andere Teetrinker: Das Modell sei ein Importklassiker der Teeladenkette um die Ecke, kurz: Massenware. Die Kollegin ist erschüttert.
Kleine Weltläufigkeitsdemonstration
Darauf erst mal ein Stück Sachertorte, original mitgebracht aus Österreich und ziemlich köstlich. Solche kulinarischen Souvenirs sind natürlich immer gern gesehen. Nur sollten sie besser nicht überhöht werden, so wie der Chianti Classico vom pittoresken toskanischen Weingut („totaler Geheimtipp!“), mit dem nach Dienstschluss angestoßen wird. Den hat seit Kurzem auch die Vinothek nebenan im Sortiment. Was dem großzügigen Gastgeber aber keiner sagen mag.
Bei den Kitkat-Riegeln in japanischem Design, mitgebracht aus Tokio, schmelzen wir dann aber doch dahin. Obwohl sie wie aus einem Discounter in Castrop-Rauxel schmecken. Aber allein die Verpackung, die hat was! Und zählen nicht auch Wille und Tat, in der Ferne an die Kollegen gedacht zu haben? Dass ein wenig die Demonstration der eigenen Weltläufigkeit mitschwingt, ist nur menschlich. Seht her, ich habe es nicht bei der Sommerfrische in Benediktbeuern belassen! Dabei ist der Honig aus dem bayerischen Klosterladen wirklich ein Geheimtipp.
Ohnehin geht bei Souvenirs nichts über Handarbeit, Wertigkeit, ein gutes Gefühl, wenn man all das denn findet. So reisen unsere Gedanken in Richtung des befreundeten chinesischen Studenten. Er wollte aus Europa Eiffelturm-Salzstreuer und Neuschwanstein-Bierseidel mitbringen. Doch alles war „made in China“. Damit kann er bei der fernen Verwandtschaft nicht punkten.
In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wechselnde Autoren mit einem Augenzwinkern über Kuriositäten im Arbeitsleben.
