
Marokkanische Sicherheitskräfte haben am Samstag fast 300 Menschen bei dem Versuch festgenommen, in die spanische Exklave Ceuta zu gelangen. Zuvor hatte es in den sozialen Medien Aufrufe zu einem erneuten massenhaften Grenzübertritt gegeben. Unter den Festgenommenen seien 294 Migranten aus Subsahara-Afrika, verlautete aus dem marokkanischen Innenministerium.
Die spanische Nachrichtenagentur EFE meldete, die marokkanische Polizei habe Tränengas eingesetzt, um Gruppen von Migranten in den Hügeln rund drei Kilometer vor der Grenze zu zerstreuen. Zudem wies das marokkanische Innenministerium EFE und dem spanischen Staatssender TVE zufolge deren Journalisten an, die marokkanische Grenzstadt Fnideq umgehend zu verlassen.
Spanien hat 1600 Polizisten vor Ort
Auf der spanischen Seite patrouillierte die Polizei in den Straßen von Ceuta. Die Regierung in Madrid hat eine Seebarriere errichtet und mehr als 500 zusätzliche Polizisten vom Festland verlegt. Damit stieg die Gesamtzahl der Einsatzkräfte in der Exklave auf über 1600.
„Wir werden weiterhin das nötige Personal einsetzen, um so schnell wie möglich die Normalität wiederherzustellen und zu verhindern, dass sich die Ereignisse vom 30. Juli wiederholen“, sagte der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska am Donnerstag. Migranten ohne Aufenthaltsrecht würden nach Marokko zurückgewiesen. Derzeit halten sich dem Minister zufolge noch etwa 5000 Migranten in Ceuta auf.
Die verschärften Sicherheitsvorkehrungen auf beiden Seiten der Grenze folgen auf einen beispiellosen Ansturm vor zwei Wochen. Am 30. Juli waren mehr als 72.000 Migranten nach Ceuta geströmt, wobei ein Großteil die Exklave bis am Folgetag wieder verließ. Während des Ansturms der Migranten kamen nach offiziellen Angaben 91 Menschen ums Leben. Die Menschenrechtsgruppe AMDH geht hingegen von mindestens 141 Toten aus.
Marokko hatte bereits Anfang der Woche gewarnt, Organisatoren und Teilnehmer von neuen Massenübertritten strafrechtlich zu verfolgen. Dennoch umgingen Augenzeugen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge einige Migranten die Kontrollpunkte über Bergrouten.
