Eine Vandalin ist sie nicht. Das wurde Ende vergangener Woche offiziell vom amerikanischen Justizministerium entschieden. Das hält den amerikanischen Präsidenten Donald Trump aber nicht davon ab, an seinen Vandalismus-Vorwürfen gegen die Tierärztin Sophie Dennison-Gibby festzuhalten. Erstmals hat sich Dennison-Gibby nun zu den Vorfällen am 20. Juni in einem Interview gegenüber der „Washington Post“ geäußert, die zu ihrer Festnahme geführt hatten.
Demnach war sie an jenem Samstagnachmittag am Reflexionsbecken zwischen dem Lincoln Memorial und dem Washington Monument auf der National Mall in der amerikanischen Hauptstadt spazieren, als sie im Wasser etwas bemerkte, das wie Müll aussah. Sie beugte sich über den Beckenrand und fischte den Dreck heraus. Es war, was sie zu dem Zeitpunkt nicht wusste, ein Stück der Beckenauskleidung, die sich gelöst hatte. Wenig später stand ein US Marshal vor ihr und sagte: „Ich wünschte, Sie hätten das nicht getan. Jetzt werde ich Sie festnehmen.“
Dennison-Gibby wurde in Handschellen abgeführt
Dennison-Gibby wurde in Handschellen abgeführt und zu einer Dienststelle der Parkpolizei gebracht. Man habe dort ihre Personalien aufgenommen, auch ihre Fingerabdrücke habe sie abgeben müssen. Wenig später wurde sie freigelassen, aber zugleich wurde gegen sie und noch zwei Männer, Justin Carreno und Cameron Thiers, ein Verfahren wegen Sachbeschädigung eingeleitet. Gegen die drei wurde wegen einer Ordnungswidrigkeit ermittelt, dem kanadischen Olympiateilnehmer David Hearn hingegen wurde eine Straftat zur Last gelegt. Die vier sollten maßgeblich dafür verantwortlich gewesen sein, dass beim frisch sanierten Reflecting Pool die Farbe der Beckenauskleidung abblätterte und sich im Wasser Algen bildeten.

Die Renovierung des Beckens vor dem Lincoln Memorial war ein Prestigeobjekt Donald Trumps. Der Präsident behauptete denn auch umgehend im Juni, dass Vandalen und Trump-Gegner die frisch gegossene Bodenbeschichtung mit Teppichmessern aufgeschnitten und herausgerissen hätten. „Von der mächtigsten Person der Welt, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, öffentlich angeprangert und als kranke, gewalttätige Vandalin bezeichnet zu werden, obwohl ich nur ein Stück Müll aufgehoben hatte – das war schrecklich“, sagte Dennison-Gibby nun der „Washington Post“.
Der Schaden wurde wohl von einer beauftragten Firma verursacht
Ende vergangener Woche ließ die Staatsanwaltschaft wissen, dass aus Unterlagen des Innenministeriums hervorgehe, dass der Schaden wahrscheinlich durch einen Fehler einer beauftragten Firma verursacht worden sei. Die Vorwürfe gegen die vier „Vandalen“ wurden fallen gelassen. Trump aber beschimpfte sie dennoch am Montag und hielt auch an seiner Vandalismus-Theorie fest.
Für die Tierärztin Dennison-Gibby, die aus Portsmouth in England stammt, seit 2004 in den Vereinigten Staaten lebt und 2014 eingebürgert wurde, war die ganze Erfahrung „einfach herzzerreißend“. Sie habe sich für dieses Land entschieden, sei seit zwölf Jahren Amerikanerin. „Nichts daran fühlt sich gut an.“ Durch die Festnahme sei sie „öffentlich gedemütigt“ worden. Der Vorfall habe sie stark belastet – gesundheitlich, geschäftlich und in ihrer Rolle als Mutter. Sie habe befürchtet, ihre zehnjährige Tochter könnte von der Festnahme erfahren. „Ich wollte sie beschützen“, sagte Dennison-Gibby. „Ich hätte ihr nicht sagen können, dass alles gut werden würde.“
Obwohl sie erleichtert darüber war, dass die Anklage fallen gelassen wurde, habe die Erfahrung sie entmutigt, sagte Dennison-Gibby der „Washington Post“. „Die Realität ist, dass dies ein Symptom eines viel größeren Problems ist; die Menschen müssen aufwachen – und zwar schnell.“
