
Der Volkswagen-Konzern will die Kooperation mit seinem chinesischen Partner zur Entwicklung und Produktion von Batteriezellen für Elektroautos stark ausweiten. Wie am Montag bekannt wurde, soll sich das Unternehmen Gotion High-Tech unter anderem an der Zellfabrik beteiligen, die VW im spanischen Sagunt errichtet. Über zwei weitere Gemeinschaftsunternehmen will sich VW zudem direkt in europäische Projekte von Gotion einbringen, eine Batteriefabrik in Šurany im Süden der Slowakei und ein Werk für Vorprodukte in Kenitra in Marokko.
Für VW geht es darum, die eigene Versorgung mit günstigen Zellen zu sichern, für den chinesischen Partner außerdem um die globale Expansion: Durch die Beteiligung am Aufbau eines „zentralen europäischen Zellproduktionsstandorts“ sammele man Erfahrung „mit der Vergabe und Durchführung großer europäischer Batteriefabrikprojekte“, heißt es in einer Börsenmitteilung von Gotion in China.
Der größte Teil entfällt auf das Projekt in Sagunt. Dort steigt Gotion mit rund 1,1 Milliarden Euro in den Bau der Zellfabrik ein und erwirbt dafür 49 Prozent an einem Gemeinschaftsunternehmen mit VW. Der Wolfsburger Autokonzern und seine Tochtergesellschaft Powerco zahlen wiederum jeweils 235 Millionen Euro für ihre Beteiligungen an den beiden Projekten in der Slowakei und in Marokko. Ein Sprecher von Powerco bestätigte am Montag den geplanten Schritt. Erwartet wurde, dass die Verträge zeitnah unterschrieben werden. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe lag noch keine Vollzugsmeldung vor.
VW will unabhängig von chinesischen Zelllieferanten werden
VW und Gotion arbeiten schon länger auf dem Gebiet der Batteriezellen zusammen. Die Wolfsburger waren vor etwa sechs Jahren mit einem Minderheitsanteil von etwa einem Viertel bei dem Unternehmen eingestiegen, das seinen Hauptsitz in Hefei in der chinesischen Region Anhui hat. In den jetzt angekündigten neuen Kooperationen soll es konkret um Lithium-Eisenphosphat-Zellen gehen, kurz LFP. Diese gelten als kostengünstige Alternative zu herkömmlichen Lithium-Ionen-Akkus und erreichten zuletzt nach Angaben der Internationalen Energieagentur schon einen Anteil von mehr als der Hälfte am Weltmarkt für E-Auto-Zellen, vor allem, weil sie in China stark verbreitet sind.
VW ist wie alle westlichen Hersteller von asiatischen Zelllieferanten abhängig, will aber in Zukunft einen möglichst großen Anteil in eigenen Fabriken fertigen. Dafür ist im niedersächsischen Salzgitter schon eine Großfabrik entstanden. Außerdem entsteht ein Werk in Ontario in Kanada. Beide Projekte seien von der vertieften Partnerschaft mit Gotion nicht direkt betroffen, hieß es am Montag. Die Arbeiten dort liefen weiter, wie ursprünglich konzipiert. Vor einigen Jahren hatte VW ein noch viel größeres Netz an eigenen Zellfabriken geplant, auch in Zusammenarbeit mit dem skandinavischen Start-up Northvolt. Dieses rutschte jedoch in die Pleite, und auch die Pläne für andere Vorhaben stutzte VW deutlich.
Neben der Produktion von Zellen, dem wichtigsten Bauteil der Elektroautos, ist auch die Herstellung der Vorprodukte interessant, des sogenannten Kathodenmaterials, einer chemischen Mischung, die in die Zellen eingebracht wird. In der Mitteilung von Gotion heißt es, man beabsichtigte, über das Marokko-Joint-Venture ein Projekt zur Herstellung von 100.000 Tonnen Lithium-Eisenphosphat-Kathodenmaterial pro Jahr zu errichten.
Die Gesamtinvestition für dieses Projekt werde auf rund 480 Millionen Euro geschätzt, die Hälfte davon komme von VW. Das Unternehmen Gotion werde hierfür in Kenitra eine neue Gesellschaft gründen, an der sich dann die VW-Gesellschaft Powerco im Wege einer Kapitalerhöhung beteiligen wolle. Die Kräfteverhältnisse sind in diesem Projekt dann umgekehrt: Den Plänen zufolge soll die Gotion-Seite 51 Prozent der Anteile halten, die Powerco-Seite 49 Prozent. Das künftige Gemeinschaftsunternehmen werde also von Gotion kontrolliert.
