VW-Chef Oliver Blume hat als ein Ziel des angekündigten Konzernumbaus eine Zukunft für alle Werke genannt. »Unser Ziel ist es, in den nächsten sechs bis zwölf Monaten belastbare Perspektiven für alle Standorte zu schaffen«, sagte Blume auf der Betriebsversammlung im Stammwerk Wolfsburg.
Die Konzernmarken hätten den Auftrag, gemeinsam mit den Werken konkrete Optionen zu erarbeiten. Es sei nicht beschlossen worden, die Werke in Emden, Hannover und Zwickau oder das Audi-Werk in Neckarsulm zu schließen. Werksschließungen seien »immer die letzte und teuerste Lösung«, sagte Blume. Zuletzt hatte es jedoch geheißen, für die vier Werke gebe es derzeit noch keine »wettbewerbsfähige Belegung« für das kommende Jahrzehnt.
Wichtig ist laut Blume, dass die Kosten außerhalb der Fahrzeugproduktion sinken. Die zuletzt genannte Zahl von 50.000 Stellen, die gestrichen werden müssten, sei dabei jedoch keine Zielgröße, sondern eine theoretische Rechengröße. Laut einer Mitteilung sagte Blume dazu nun: »Aus heutiger Sicht entfällt etwa die Hälfte des Anpassungsbedarfs auf Deutschland, die andere international – in insgesamt rund 170 Gesellschaften.«
Lage laut Blume »mehr als kritisch«
Die Betriebsversammlung in der Wolfsburger Volkswagen-Zentrale ist der Auftakt einer Reihe von Betriebsversammlungen, bei denen der Vorstand um Blume die Fragen der Belegschaft beantworten soll. Im Zentrum stehen die angekündigten Sparmaßnahmen. Demnach sind zehntausende Stellen sowie vier Werke in Gefahr.
Die Belegschaft hatte dem Vorstand vor den Betriebsversammlungen eine »desaströse Kommunikation« vorgeworfen, die die Mitarbeiter verunsichere. Der Betriebsrat sprach sich zudem gegen betriebsbedingte Kündigungen aus, Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) gegen Werksschließungen.
Betriebsrat kritisiert Blume deutlich
Bei der Betriebsversammlung kritisierte der Betriebsrat Blume offen. »Unser Vertrauen in diesen Konzernvorstand, insbesondere auch in dessen Vorsitzenden Oliver Blume, ist beschädigt«, sagte Konzernbetriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo nach Angaben aus Teilnehmerkreisen bei der Versammlung im Stammwerk. »Noch nicht irreparabel. Aber beschädigt.« Sie fügte hinzu: »Mit einem CEO, der seinen Leuten nicht sagt, was ist, lässt sich nicht arbeiten.«
Vergangene Woche hatte Blume die Lage bei Europas größtem Autohersteller als »mehr als kritisch« bezeichnet. Bisherige Einsparungen – etwa um durchschnittlich ein Fünftel gesenkte Kosten in deutschen Autofabriken im vergangenen Jahr – seien nicht ausreichend. Insgesamt sei Volkswagen überdimensioniert, zu langsam und zu kompliziert.
Nach Wolfsburg sind in den kommenden Tagen acht weitere Betriebsversammlungen geplant; in Braunschweig, Emden, Zwickau, Chemnitz, Dresden, Kassel-Baunatal, Salzgitter und Hannover.
