
Ist es bei Ihnen schon eine Weile her, dass einer der Chefs kurz im Büro vorbeigeschaut hat, um in großer Dankbarkeit und Großzügigkeit zu fragen, wie viel mehr Geld es denn sein dürfe. Ein Bonus vielleicht, eine Prämie oder Provision, was auch immer. Hauptsache, eine moderne, motivierende Entlohnung, leistungsgerecht und individuell.
Wie gut, dass man das Warten auf einen solchen Moment beruflichen Glücks nutzen kann, um mehr über dieses sensible Thema zu erfahren. Zum Beispiel, dass Homeoffice in diesem Zusammenhang keine gute Idee ist. Die Wahrscheinlichkeit, eine individuelle Leistungsentlohnung zu bekommen, sei für regelmäßige Homeoffice-Nutzer 14 Prozent geringer als für Beschäftigte, die das Büro nicht scheuen. Sagt jedenfalls die Universität Trier, Fachrichtung Arbeitsmarktökonomik. Eine kollektive Leistungsentlohnung hingegen – also eine Art Gruppenbonus – sei im Homeoffice um sechs Prozent wahrscheinlicher. Und eine gemischte Form von individueller und kollektiver Belohnung sogar um 20 bis 30 Prozent. Was damit anzufangen ist? Schwierig. Es fällt vermutlich in die Kategorie nutzloses Wissen.
Wie der Verlust von zehn Freunden
Etwas anderes erscheint hilfreicher, nämlich die Erkenntnis, dass die Jagd nach leistungsorientierter Bezahlung heikel sein kann. Sie macht krank, einsam und unvernünftig. Sagt dieselbe Uni. Es sehe gar nicht gut aus für das Leistung-muss-sich-lohnen-Denken. Denn: Das Streben nach leistungsorientierter Bezahlung sorge für mehr Stress, und zwar durch längere Arbeit, mehr Konkurrenz und höheren Leistungsdruck, wobei risikoscheue Menschen durch die Ungewissheit über das eigene Einkommen besonders gestresst seien. Das alles ahnten wir schon. Dass das Ganze allerdings auch zu größerer Einsamkeit führe, weil mit Kollegen und Lebenspartnern mehr gestritten werde, ist überraschend unschön. Für den „Zuwachs an Einsamkeit“ – interessanter Befund – gilt das erst recht, er sei vergleichbar mit dem Verlust von zehn Freunden.
Das ist natürlich ein hoher Preis. Zumal ein höherer Alkoholkonsum hinzukomme, und mit ihm der Griff zu mehr verschiedenen Alkoholsorten. Wer kann das wollen? Sollten die Chefs also doch noch aufkreuzen wegen dieser Boni-Sache, steht Ihre Antwort doch sicher fest. Oder etwa nicht?
