
Als Volkswagen vor anderthalb Jahren ein Sparprogramm auf den Weg gebracht hatte, war intern schon bald klar, dass die Einschnitte nicht reichen würden. Seither hat sich die Situation weiter zugespitzt. Das Management in Wolfsburg stellt sich auf eine Welt ein, in der die Nachfrage kaum noch wächst und politische Konflikte das Geschäft immer stärker belasten.
Zu Recht: Die Realität auf dem Weltmarkt lässt sich nicht wegdiskutieren. Deshalb müssen jetzt weitere Kostensenkungen her, auch wenn die IG Metall schon ankündigt, mit aller Macht gegen Werksschließungen in Deutschland ankämpfen zu wollen.
Der größte Druck kommt aus China. In der Volksrepublik haben alle deutschen Hersteller schon starke Einbußen erlitten. Jetzt bauen chinesische Rivalen eigene Fabriken in Süd- und Osteuropa, um von dort aus den hiesigen Markt beliefern zu können.
Druck aus China
Die neuen Werke arbeiten effizient und mit niedrigen Kosten, ein Problem für alte Standorte mit überkommenen Strukturen wie die VW-Fabriken in Emden, Zwickau und Hannover, aber auch das Audi-Werk in Neckarsulm. Bis zu 60.000 Stellen will der VW-Konzern zusätzlich global abbauen. Und am selben Tag verkündet auch Mercedes, die Kosten noch stärker senken zu wollen und Beschäftigte für den gleichen Lohn länger arbeiten zu lassen.
Wie bei der Rentenreform der Bundesregierung gilt auch für die Autoindustrie: Die größten Widerstände gegen Einschnitte kommen von denjenigen, die die Lasten tragen müssen. Manchmal sitzen die Bremser auch im eigenen Aufsichtsrat. Das Land Niedersachsen, das an VW beteiligt ist, hat schon angekündigt, Schaden von eigenen Standorten abwenden zu wollen.
Auch in Ostdeutschland ist die Lage angespannt. In Sachsen-Anhalt wird schon im September gewählt, und die in Umfragen führende AfD nutzt die Existenznot vieler Autozulieferer im Land, um weiter Stimmung zu machen. Politische Blockaden machen aber alles nur schlimmer. Die Branche muss sich von Grund auf neu ausrichten, sonst hat der Autostandort Deutschland keine Zukunft.
