
Vor 16 Jahren gewann Michel Jung zum ersten Mal die Goldmedaille bei der Weltmeisterschaft im Vielseitigkeitsreiten – jetzt hat er das wieder geschafft. In Aachen gelangen ihm mit seinem Pferd Chipmunk am Wochenende fehlerfreie Runden im Gelände und im Springparcours. Der 43-Jährige siegte vor den beiden Britinnen Rosalind Canter mit Graffalo und Laura Collett mit London.
Die deutsche Mannschaft mit Jung, Julia Krajewski und Nickel, Malin Hansen-Hotopp mit Quidditch sowie Libussa Lübbeke mit Caramia sicherte sich zudem vor heimischen Fans die Silbermedaille hinter Großbritannien. Vor vier Jahren war das Team von Bundestrainer Peter Thomsen, der wegen eines Reitunfalls nicht in Aachen sein konnte, noch Weltmeister geworden.
Ein Klappern, aber kein Abwurf
Im abschließenden Parcoursspringen am Sonntagnachmittag erhöhte Canter den Druck auf Jung, als sie kurz vor ihm fehlerfrei aus dem Parcours kam. Doch anders als noch 2022 in Italien, als Jung ebenfalls in Führung liegend ins Finale gestartet waren und ihn zwei Abwürfe auf Rang fünf zurückwarfen, blieben diesmal alle Stangen liegen – auch wenn es zwei, dreimal verdächtig klapperte, als Chipmunks Hufe das Holz berührten.
Kein Gedanke an den Ruhestand
Für Jung war es ein besonderer Tag, weil sein Chipmunk mit inzwischen 18 Jahren zu den ältesten Pferden im Feld gehört. Schon 2018 startete der Wallach bei den Weltmeisterschaften in den USA, damals noch mit seiner Reiterin Julia Krajewski. Danach wechselte das Pferd in Jungs Stall und schon im Jahr darauf gewannen die beiden Team-Gold und Einzel-Silber bei den Europameisterschaften. „Für mich ist er 18 Jahre jung“, sagte der Reiter nach dem Geländeritt, „man merkt ihm das Alter nicht an, die Begeisterung ist noch voll da, deshalb ist auch nicht ans Ende seiner Karriere zu denken.“
Die Enttäuschung der vergangenen WM habe er zwar noch im Hinterkopf gehabt, sagte Jung vor dem Finaltag. Doch er hoffte, dass die „paar Patzer aus der Dressur vielleicht alle waren, die wir diese Woche gemacht haben. Das wäre das Beste.“ Und so kam es dann letztlich auch. Chipmunk galoppierte frisch und munter über die Ziellinie.
