
Die Allianz befindet sich auf Kurs, den für das Gesamtjahr angepeilten Rekordgewinn zu erreichen. In der ersten Jahreshälfte profitierte der Versicherungskonzern von geringen Katastrophenschäden und einem Nettomittelzufluss der Vermögensverwaltung in der Rekordhöhe von 84 Milliarden Euro. Wie der Versicherungskonzern am Freitag mitteilte, lag das für Dritte verwaltete Vermögen Ende Juni auf dem Rekordniveau von 2,16 Billionen Euro. Das waren 171 Milliarden Euro mehr als zum Jahresanfang.
Im zweiten Quartal flossen den beiden Vermögensverwaltungseinheiten Pimco und Allianz Global Investors rund 39 Milliarden Euro zu. Davon entfielen fast 32 Milliarden Euro auf die auf Anleihen spezialisierte amerikanische Tochtergesellschaft Pimco. Diese verwaltet nun knapp 1,7 Billionen Euro an Vermögen. In den ersten sechs Monaten legte das operative Ergebnis um neun Prozent auf 9,4 Milliarden Euro zu. Der Vorstandsvorsitzende Oliver Bäte sprach von starken Ergebnissen.
Teurer Versicherungsschutz
Für das Gesamtjahr sieht er die Allianz auf einem guten Weg, ein operatives Ergebnis in der Bandbreite von 16,4 bis 18,4 Milliarden Euro zu erreichen. Im vergangenen Jahr hatte die Allianz einen Betriebsgewinn von 17,4 Milliarden Euro erzielt, was einen Rekordwert darstellte. Die im Vorstand für Finanzen zuständige Claire-Marie Coste-Lepoutre deutete an, dass die Allianz nun ein Ergebnis in der oberen Hälfte der Prognosespanne erwartet, also einen Gewinn von mehr als 17,4 Milliarden Euro. Ihren Worten zufolge liegen die operativen Ergebnisse über den Mittelwerten ihrer jeweiligen Gesamtjahresziele. Sie hielt es aber für zu früh, die Prognosen für das Geschäftsjahr anzuheben.
Vorstandschef Bäte verwies abermals auf die Kosten für Versicherungsschutz, die schneller steigen als das verfügbare Einkommen. „Diese Herausforderung nehmen wir an. Wir investieren in Künstliche Intelligenz, Prävention von Risiken und intelligentere Lösungen.“ Hierdurch wolle die Allianz es mehr Menschen ermöglichen, das abzusichern, was ihnen wichtig sei – zu einem Preis, den sie sich leisten könnten.
Im ersten Halbjahr 2026 erhöhte sich das Geschäftsvolumen der Allianz um gut vier Prozent auf 98,6 Milliarden Euro. Die Vermögensverwaltung verzeichnete nach Konzernangaben ein hervorragendes internes Wachstum, und auch in der Schaden- und Unfallversicherung habe sich das Geschäft stark entwickelt. In der Lebens- und Krankenversicherung habe die Wachstumsdynamik im zweiten Quartal zugenommen.
Bäte will in Asien expandieren
In der Schaden- und Unfallversicherung legte der Betriebsgewinn im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um neun Prozent auf 4,9 Milliarden Euro zu. Im zweiten Quartal belief sich das operative Ergebnis auf 2,5 Milliarden Euro, was das bislang höchste Quartalsergebnis war. In der ersten Jahreshälfte lag die Schaden-Kosten-Quote bei 91,4 Prozent. Diese Kennziffer zeigt an, dass die Allianz in diesem Geschäft Geld verdient, weil die Schaden- und Verwaltungskosten niedriger ausfielen als die Prämieneinnahmen.
Bäte setzt gegenwärtig auf eine Expansion in Asien. In dieser Woche teilte Allianz Global Investors die Übernahme einer Fondssparte der singapurischen Großbank United Overseas Bank (UOB) für 376 Millionen Euro mit. Daneben soll es auch eine Vertriebskooperation mit der UOB geben. Im Juli hatte die Allianz die Übernahme des Versicherers HSBC Life Singapore für zwei Milliarden Euro bekanntgegeben. Auch hier ist eine Vertriebspartnerschaft mit der HSBC Bank in Singapur Teil der Vereinbarung. Beide Transaktionen sollen 2027 abgeschlossen werden.
Von ihrem im Februar angekündigten Aktienrückkauf über 2,5 Milliarden Euro hat die Allianz schon mehr als die Hälfte umgesetzt. Bis Ende Juni seien eigene Aktien für 1,4 Milliarden Euro zurückgekauft worden, hieß es in der Mitteilung. An der Börse gab der Aktienkurs der Allianz am Freitag um 0,9 Prozent nach.
