
Auch in Asien bleibt Trump ein Meister darin, alte Bündnisse der Vereinigten Staaten zu beschädigen. Als er kürzlich in Peking war, ließ er Zweifel an der Unterstützung Taiwans erkennen. Nun fährt er gemeinsame Militärübungen mit Südkorea herunter, einem Land, in dem seit Jahrzehnten amerikanische Truppen stationiert sind.
Bemerkenswert sind wie immer seine Begründungen, denn sie sind völlig unstrategisch. Neben Kosten führt er mangelnde Unterstützung der südkoreanischen Regierung im Irankrieg an, vor allem aber ein „völlig unangemessenes und feindseliges“ Signal, das von den Manövern an Nordkorea ausgehe. Besser könnte es die Propaganda in Pjöngjang nicht formulieren.
Militärische Unterstützung für Russland
In Wirklichkeit ist Nordkorea kein „unbedrohliches und respektvolles“ Land, wie Trump sagt. Machthaber Kim Jong-un lässt weiter Raketentests veranstalten, die sich auch gegen die US-Stützpunkte in Südkorea richten. Und er unterstützt Russland militärisch in der Ukraine, was dazu beiträgt, Trumps Friedensbemühungen in diesem Konflikt zu untergraben. Dass der Präsident angibt, er habe eine „sehr gute Beziehung“ zum nordkoreanischen Diktator, ist vorgeschoben oder illusorisch.
Trumps ursprünglicher Ansatz, dass die Verbündeten in Europa und Asien mehr zur gemeinsamen Verteidigung beitragen müssten, war berechtigt. Wenn er nun aber die Nähe von Putin, Xi und Kim sucht, stellt er immer mehr den Zweck dieser Allianzen infrage. Südkorea gehört zur wachsenden Zahl von Ländern im erweiterten Westen, die sich überlegen müssen, ob auf Amerika noch Verlass ist. Auch in Ostasien ist das nicht zuletzt eine nukleare Frage.
