
Aber die iranische Sache ist noch lange nicht erledigt, den Amerikanern stehen nun schwierige Verhandlungen mit Teheran bevor. Und Russlands Position wird durch die jüngsten Entwicklungen sogar wieder gestärkt. Das iranische Regime, das überlebt hat, ist ein wichtiger Verbündeter Putins.
Zur Wahrheit gehört auch, dass Trumps ukrainische Bemühungen schon vor dem Angriff auf Iran festgefahren waren. Die Vorstellungen zwischen Kiew und Moskau liegen bis heute zu weit auseinander. Verschoben hat sich in den vergangenen Monaten allerdings das Kräfteverhältnis. Mit Schlägen tief ins russische Hinterland kann die Ukraine die Angreifer heute viel effektiver unter Druck setzen als zu Beginn des Krieges. Auch die wirtschaftliche Lage Russlands verschlechtert sich.
Trumps veränderte Tonlage
Bundeskanzler Merz glaubt, dass sich deswegen „langsam ein Fenster für die Diplomatie öffnen“ könnte. Auch Trump rät den Russen unter Verweis auf ihre enormen Verluste (auch die der Ukraine) zu einem Abkommen, und er stellt die Wiedereinsetzung von Sanktionen in Aussicht. Das ist eine leicht veränderte Tonlage des Präsidenten, auf die man allerdings nicht allzu viel geben sollte. Nach dem nächsten Telefonat mit Putin könnte er schon wieder anders reden.
Die westliche Strategie, sofern es eine solche mit Trump noch gibt, besteht darin, die Kosten für Putin so zu erhöhen, dass er irgendwann aufgibt. Äußerlich gibt es dafür bisher kaum Anzeichen. Der Kreml vertritt weiter Maximalpositionen und spielt bei der Frage nach Verhandlern und Verhandlungsorten seine alten taktischen Spiele.
Aber auch das muss nicht viel heißen. Zum ersten Mal in diesem Krieg, der schon länger währt als der Erste Weltkrieg, spielt die Zeit gegen Putin, nicht für ihn.
